Kolben

Inhalt

I.Übergreifende Erkenntnisse aus den Schulprojekten

II.Das Ringen um Kriterien: selbst gewählte Reibungspunkte

III.Exemplarische Begleitforschung: eigene Fragestellungen verfolgen

I. Übergreifende Erkenntnisse aus den Schulprojekten

Mit einer Befragung im ersten Drittel der Praxisphase wollten wir herausfinden, welche Themen die KünstlerInnen in ihren Projekten vorrangig beschäftigen und welche Schlüsse aus ihren Erfahrungen gezogen werden können. Vor allem aber interessierte uns, wie die KünstlerInnen den Bezugsrahmen BNE in ihrer Praxis interpretieren und adaptieren sowie welche Ausprägungen dadurch die Verbindung von Kunst und BNE erhalten kann. Die Befragung führten wir am Telefon in jeweils 30-minütigen Gesprächen durch. Wir erkundigten uns nach den Erwartungen an das eigene Projekt, nach dem Grad der Erfüllung dieser Erwartungen und nach Unterschieden zur sonstigen Projektpraxis, gegeben durch den normativen Anspruch von BNE bzw. dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung.

Die Auswertung ergab, dass sich alle KünstlerInnen mit ihren Projekten in einem Spannungsverhältnis zwischen ihrer Interpretation von BNE, den strukturellen Gegebenheiten der Schule und dem eigenen Kunstverständnis bewegten. Die Auseinandersetzung mit BNE wurde vor allem auf der inhaltlichen und methodischen Ebene geführt, auf der strukturellen Ebene stand das Arbeitsfeld Schule im Mittelpunkt.

Welche Rolle spielt BNE in den Schulprojekten?

Einige der KünstlerInnen betrachteten das normative Konzept einer nachhaltigen Entwicklung als Chance zur thematischen Verortung der eigenen Projektpraxis und nutzten es für ein fokussiertes Vorgehen sowie für die (bildungs)politische Legitimierung ihrer Arbeit mit den SchülerInnen. Andere empfanden das Konzept eher als Belastung, weil es für sie einen Erwartungsdruck auslöste. So haben sich manche Projekte explizit am Konzept der Gestaltungskompetenz und den Leitlinien der Agenda 21 orientiert, während sich andere begrifflich ganz von diesem Kontext lösten und lieber das Wortspiel (Über-)Lebenskunst nutzten.

Die inhaltlich-methodische Orientierung an BNE brachte eine neue Auftragsdimension mit und machte den Vermittlungsanspruch komplexer. Der Fokus wurde stärker auf die Vermittlung von Gestaltungskompetenz gerichtet, verbunden mit zielgerichteter künstlerischer Aktion und Gestaltung. Es ging den ProjektinitiatorInnen nicht (mehr) darum, mit den SchülerInnen konkrete künstlerische Ergebnisse zu erarbeiten, sondern ihnen vielmehr ein tieferes Verständnis bestimmter Probleme zu vermitteln, und zwar mit den Mitteln ihrer jeweiligen Kunst. Diese korrespondiert in vielen Fällen mit Aspekten nachhaltiger Entwicklung: So sensibilisiert die bildende Kunst für Material und Ressourcen. Design beschäftigt sich mit der Produktion und Nutzung von Material und einem kritischen Konsum. Fotografie und Videokunst basieren auf einer bewussten Wahrnehmung der Umwelt und fördern die Beobachtungsgabe. Mit Tanz, Musik und Theater verbindet sich kooperatives Handeln und eine Sensibilität für das eigene Tun. Kunst im öffentlichen Raum setzt sich mit Beteiligungsfragen und Stadtentwicklung auseinander.

Der Anspruch kultureller Bildung lässt Ähnlichkeiten mit dem ganzheitlich gedachten Konzept der Gestaltungskompetenz erkennen, welches soziale und emotionale Komponenten des Lernens gleichberechtigt neben den kognitiven sieht. Komplexität erfahrbar zu machen und in Alternativen zu denken stellt für viele die Verbindung zwischen dem eigenen Kunstverständnis und BNE dar. Das Handeln, Entscheiden und Reflektieren in der Gruppe, die Orientierung an den Stärken und Interessen der Einzelnen, der Zugang zur persönlichen Lebens- und Gefühlswelt sowie das Arbeiten an einer gemeinsamen Vision – all das haben die KünstlerInnen in die Schulen gebracht und sich damit – beabsichtigt oder nicht – an den didaktischen Prinzipien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung orientiert. Mit jedem Projekt wurden Ziele der BNE verfolgt, nämlich die Wahrnehmung junger Menschen zu schärfen, ihren Blick zu öffnen, ihre Kreativität zu entfalten und sie zu selbstbewussten Problemlösungen zu ermutigen.

Für die Mehrzahl der KünstlerInnen zeigte sich, dass das methodisch Erlernte und konzeptionell Entwickelte oft nicht mit der jeweiligen Schulpraxis kompatibel war. Die Schulstrukturen stünden ihren Projektansprüchen entgegen, hieß es, und dass die SchülerInnen bestimmte Verhaltensweisen in der Schule im Grunde erst verlernen müssten, um mit neuem Blick die in der Regel offeneren Methoden des Projekts akzeptieren zu können. Das erforderte oftmals methodische Flexibilität, um zunächst das Vertrauen der SchülerInnen zu gewinnen, was wiederum viel Zeit in Anspruch nahm. Einige machten auch die Erfahrung, dass die SchülerInnen eher an den Möglichkeiten der eigenständigen künstlerischen Produktion und dem „Event“ interessiert waren, da dies im normalen Schulalltag wenig Raum hat.

Die methodische Vorbereitung und die künstlerische Intuition „verschmolzen“ und wurden je nach Kontext an die Projekt- und Schulpraxis angepasst. Daraus können wir schließen, dass Methoden für BNE nicht einfach mit künstlerischen Arbeitsweisen zu einer neuen „kulturellen“ oder „ästhetischen BNE“ addierbar sind. Wichtig sind vielmehr der Abgleich und die produktive Verschränkung von pädagogischen und künstlerischen Zugängen. Es wird daran auch deutlich, wie viele methodische Möglichkeiten es für die Förderung von Gestaltungskompetenz gibt. Bereits bewährte Lernangebote können durch kreative Formate eine Bereicherung erfahren, künstlerische Arbeitsweisen wiederum durch die Orientierung an Gestaltungskompetenz an methodischer Klarheit gewinnen.

Wie heißt es? Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen? Wie ist das also mit den Urlaubsfotos, verdichten sie oder verkürzen sie? Nun ja, wir wissen ja: Reisen bildet ungemein, man sollte mehr reisen, doch manche Erlebnisse von unterwegs will man auch lieber gar nicht fotografieren und teilen ...

Das Arbeitsfeld Schule

Als ein zentrales Strukturproblem benannten die KünstlerInnen die Ambivalenz zwischen der Gestaltung ergebnisoffener Prozesse und der Schulrealität, die in der Regel durch eine streng rhythmisierte Struktur geprägt ist. Ergebnisoffenheit wurde seitens der projektbeteiligten SchülerInnen und LehrerInnen unterschiedlich aufgenommen und war häufig vom Schultyp abhängig. Einige SchülerInnen, und auch LehrerInnen, waren von zu viel Offenheit überfordert und verlangten regelrecht nach Anleitungen und Struktur. Es zeichnete sich für die KünstlerInnen ein Paradoxon ab, denn die SchülerInnen benötigten eine systematische Heranführung an selbstgesteuertes Lernen und Handeln. Andere bewerteten die Möglichkeit der Mitgestaltung als neu und nutzen sie konstruktiv.

Viele KünstlerInnen äußerten auch, dass der schulische Ergebnisdruck, z. B. durch Notenvergabe, eine offene, kreative Arbeitsweise zunichte mache und sie sich auf einer permanenten Gratwanderung zwischen Struktursetzen und „Laufenlassen“ befänden. Dies führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle. Die Herausforderung bestand auch darin, auf die eigene Überforderung nicht sogleich mit rigider Lenkung zu reagieren. Zudem wurde es als Dilemma empfunden, die Selbstbestimmung der Einzelnen fördern zu wollen und gleichzeitig vor einer großen, durchaus heterogenen SchülerInnengruppe zu stehen. Es ging also hauptsächlich darum, Möglichkeitsräume aufzuzeigen, partizipative Methoden an die Schulrealität anzupassen und die Spannung zwischen dem Wunsch nach einem offenen Prozess und der praktischen Notwendigkeit von Vorgaben auszuhalten.

Wenn KünstlerInnen an Schulen kommen, bedeutet das in der Regel, dass zwei verschiedene Regelsysteme aufeinanderstoßen. Die transparente Vermittlung der jeweiligen Wünsche und Ziele sowie eine sorgsam aufgebaute Kommunikation mit dem Schulpartner und allen Beteiligten ist demnach ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Kooperation. Vorurteile zu überwinden, sich auf die Sprache und die Perspektive des Gegenübers einzulassen, auf dessen Erfahrungen und Kenntnisse zu vertrauen, diese sogar für sich nutzbar zu machen, all das sind Anstrengungen, die Zeit brauchen und am besten in einem begleiteten Rahmen stattfinden. Dabei wurde auch die Erfahrung gemacht, dass BNE als übergeordnetes Anliegen durchaus bedeutsam für die Überwindung dieser sprachlichen und praktischen Hürden ist, da es Personen aus den unterschiedlichen professionellen Bereichen eine Plattform bietet, auf der sie gemeinsam agieren.

II. Das Ringen um Kriterien: selbst gewählte Reibungspunkte

Was unterscheidet die Projekte der ÜBER LEBENSKUNST.Schule von anderen künstlerischen Schulprojekten? Worauf muss ich achten, wenn ich mein Projekt plane und durchführe? Wann kann ich sagen, dass es gelungen ist – und woran erkenne ich das?

Die Arbeit an einem gemeinsamen Kriterienkatalog für die Projektarbeit begann bereits im März 2011. Unsere Exkursion nach Dresden nutzten wir dafür, uns über die Inhalte und die Formulierung von gemeinsamen Ansprüchen zu verständigen. Schnell wurde deutlich, dass eine eindeutige und für alle Projekte gültige „Kriterienliste gelungener Kunst-BNE-Projekte“ nicht so einfach zu haben ist. Zu unterschiedlich waren die Selbst- und Rollenverständnisse der KünstlerInnen, zu verschieden die künstlerischen Genres und Arbeitsweisen. Und vor allem zu interpretationsbedürftig der Komplex BNE, der den Projekten den gemeinsamen Nenner gab. Es konnte also zunächst nur darum gehen, eine Zusammenstellung von Reibungspunkten zu erarbeiten, denen sich alle KünstlerInnen in ihrer Projektarbeit stellen wollten. Ein Jahr später aktualisierten wir die Liste vor dem Hintergrund der in den Projekten gesammelten Erfahrungen. In der Folge entstand in kollektiver Autorschaft ein kleiner Katalog kriterienverwandter Aspekte der Projektarbeit.

Differenzen erkennen und aushalten

„SchülerInnengruppen bestehen immer aus einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen, Kompetenzen, Meinungen und Interessen. Dem gegenüber stehen die KünstlerInnen mit ihrem künstlerischen Anspruch und den Inhalten, die sie vermitteln wollen. All diese Differenzen zu erkennen und sie als Ausübung eines demokratischen Prozesses weitmöglichst auszuhalten ist eine wesentliche Herausforderung unserer Projektarbeit.“ (Eva Hertzsch)

Wie wird in den Projekten mit unterschiedlichen Positionen, Haltungen, Wissen und Erfahrungen der Beteiligten umgegangen? Ambiguitätstoleranz, also das Wahrnehmen und Aushalten von Widersprüchlichkeiten ist die Grundlage demokratischen Handelns. Aber wie weit kann dies in der Umsetzung eines künstlerischen Projekts praktiziert werden? Es gilt an vielen Stellen Widersprüche auszuhalten: zwischen dem Ziel eines gemeinschaftlich gestalteten Prozesses und dem Anspruch an eine bestimmte ästhetische Qualität; zwischen den Wünschen der ProjektinitiatorInnen und dem, was innerhalb der Strukturen der Schule realisierbar ist; zwischen den kleinen Schritten der Bewusstwerdung und Veränderung, die im Rahmen der Projektarbeit möglich sind, und dem Ausmaß der globalen Zerstörung von Lebensgrundlagen; zwischen dem, was künstlerisch als notwendig betrachtet, und dem, was ökologisch vertretbar ist.

„Aushalten, dass man auch mit gutem Willen Teil des Problems sein kann.“ (Doris Kleemeyer)

Veränderungsimpulse geben und Wirkungspotenzial entfalten

„Wir stellen uns der Aufgabe, am gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise zu arbeiten. Dieser Auftrag ist so etwas wie die zentrale Handlungsmotivation der ProjektemacherInnen. Wir gehen davon aus, dass wir mit unserer künstlerischen Arbeit Veränderungen im Denken und Handeln der Projektbeteiligten anstoßen können; Veränderungen, die Auswirkung haben auf ihren und unseren Umgang mit den drängenden Problemen der Gegenwart und Zukunft.“ (Doris Kleemeyer)

Der Wunsch, mit dem eigenen künstlerisch-pädagogischen Tun etwas zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen, ist das Grundmotiv der ÜBER LEBENSKUNST.Schule. Es ist kein kleiner Anspruch, denn mit ihm steht das Gelingen der Projekte in einer weiteren Dimension auf dem Spiel: Sie sollen nicht nur als künstlerisch-pädagogische Projekte gelingen, sondern auch reale Wirkung „in der Welt außerhalb von Kunst und Schule“ entfalten. Woran aber kann man erkennen, ob ein Projekt tatsächlich „wirksam“ ist? Muss dazu eine unmittelbare Verhaltensänderung beobachtbar sein oder geht es auch schon um kleine Veränderungen in der Einstellung der Beteiligten, die sich vielleicht erst viel später im Verhalten widerspiegelt?

Einen Bezug zur Lebensrealität der Beteiligten herstellen

Die Lebenswirklichkeit der beteiligten SchülerInnen (und auch LehrerInnen) zu berühren, diese vielleicht sogar zum Ausgangs- oder Bezugspunkt für den künstlerisch-pädagogischen Prozess zu machen ist ein von vielen geteilter Anspruch an die Projektarbeit. Aber was bedeutet das überhaupt – begrifflich, künstlerisch und pädagogisch?

„Lebensrealität, als Vorstellung davon, was für eine Person relevant und existenziell bestimmend in ihrem Leben ist, ist immer eine Angelegenheit individueller Interpretation. Gibt es auch Lebensirrealitäten? Es stellt sich also die Frage, was dieses Wort überhaupt zu bezeichnen versucht.“ (Doris Enders)

Mit der „Lebenswirklichkeit“ der Beteiligten arbeiten zu wollen führt zu verschiedenen Problemen: Zum einen wird die vermeintliche Realität von jeder anders wahrgenommen, und weder KünstlerInnen noch Beteiligte verfügen über eine angemessene Sprache, darüber zu kommunizieren. Leicht wird da eine vermutete Realität als real angenommen und den Beteiligten unterstellt – und schon wird der „Lebensbezug“ zum Zwangskonstrukt. Zum anderen wollen SchülerInnen aus Schmerz oder Scham möglicherweise nicht über ihre Lebensrealität sprechen, was wiederum berücksichtigt und pädagogisch aufgefangen werden muss.

„In Kunstprojekten muss dieses Dilemma zur Sprache kommen. Es ist ein entscheidendes Potenzial von künstlerischen Prozessen, dass diese Findungsprozesse auch nach außen hin transparent werden.“ (Dennis Feser)

Und was ist zu tun, wenn Jugendliche einfach in Ruhe gelassen werden wollen von „den Erwachsenen“, die mit Projekten, Unterricht, Meinungen kommen, um ihre Sichtweisen auf das Wichtige im Leben methodisch hübsch verpackt zu vermitteln? Wo setzen wir überhaupt an, wenn unser aller Lebensrealitäten vollgestopfte Lebenszeiten sind, bestimmt von institutionellen Strukturen, familiären, monetären Zwängen und medialen Diskursen? Wäre es unter diesen Bedingungen nicht besser, Visionen möglicher Lebensrealitäten zu entwickeln und zu fragen: Womit wollt ihr eure Lebenszeit verbringen?

Ressourcen

Eine Ressource ist ein Mittel, das wir nutzen, oder ein Gut, dessen wir uns bedienen, um zu leben und Leben zu gestalten. Im Nachhaltigkeitsdiskurs und in der Bildungsarbeit sehen wir ähnliche Fragestellungen zum Umgang mit Ressourcen: Welche Quellen werden genutzt? Auf welche Weise? In welchem Ausmaß? Von wem? Wie gehen wir mit Gütern um, seien sie materieller oder immaterieller Art? Alle Projekte beschäftigten sich auf die eine oder andere Weise mit Ressourcen, und zwar sowohl bezogen auf nachhaltige Lebensweisen als auch auf die eigene künstlerische und pädagogische Arbeitsweise. Dabei ging es auch um die Frage, wie in den Projekten selbst mit Material, mit vorhandenem Wissen, mit menschlicher Arbeitskraft, Zeit, Geld und Macht umgegangen wird. Keine Einigung fanden wir bezüglich der Frage, ob es dabei um ein Bewusstsein für den Umgang mit diesen Ressourcen oder um deren gerechte Verteilung gehen soll. Daher heißt dieser Abschnitt einfach nur „Ressourcen“.

„Ich hätte gerne mehr mit meinen SchülerInnen unseren Umgang mit Zeit reflektiert. Ist aber viel zu kurz gekommen, die Prioritäten haben wir leider anders gesetzt.“ (Arne Vogelgesang)

Brauchbares vermitteln

„Brauchbarkeit bedeutet die Vermittlung konkreter Fähigkeiten zur Erlernung von anwendbaren Qualifikationen. Die Erfüllung dieses Kriteriums erfolgt im Projektverlauf und berücksichtigt neben der Frage nach der Zweckmäßigkeit die individuellen Interessen der Projektteilnehmer und ihre Talente. Beispiele wären die Vorbereitung und Durchführung eines Vortrags oder die formale und inhaltliche Zusammenstellung einer Bewerbung.“ (Eva Hertzsch)

Handelt es sich bei dem Kriterium der Brauchbarkeit um eine allgemein utilitaristische Einstellung zur Schulbildung oder um den Wunsch, mit dem eigenen Projekt Kompetenzen zu fördern, die für die „Lebensrealität“ der Beteiligten nützlich sind? Fähigkeiten und Fertigkeiten mit einem direkten Nutzen für den Alltag oder die berufliche Qualifikation sind in der Regel für alle Beteiligten leicht zu beschreiben und lassen auch ein direktes Feedback zu. Unter anderem im Kontext von BNE werden ganz klar Schlüsselkompetenzen genannt, die für das 21. Jahrhundert als zentral gelten, beispielsweise die interaktive Anwendung von Medien und Tools oder die Fähigkeit, Lebenspläne und persönliche Projekte zu gestalten und zu realisieren. Sollen künstlerische Projekte also solche Kompetenzen vermitteln?

Das Verhältnis von Prozess und Produkt: Fragen der Repräsentation

Wo liegt das Wesentliche eines künstlerischen Schulprojekts? Zeigt es sich in den im Laufe des Projekts hergestellten Produkten, oder liegt es unsichtbar im Prozess verborgen? Wie kann man es vermittteln – indem man Produkte ausstellt, indem die KünstlerIn eine Form bestimmt oder indem man den Prozess dokumentiert? Diese Fragen begleiteten uns durch die gesamte Zeit, nahmen jedoch zum Ende hin, dem Moment der Präsentation, an Dringlichkeit zu. Eine Dokumentation allein schien ungeeignet, um Auskunft über die besonderen Prozessqualitäten zu geben. Und wenn doch die besondere Qualität des Projekts im Prozess liegt, sollte man sich dann dem Zwang des Vorzeigens nicht sowieso entziehen und auf der Qualität des Nichtsichtbaren beharren? Aber wie soll sich ohne Sichtbarkeit eine Wirkung über den Kreis der Beteiligten hinaus entfalten und bislang Unbeteiligte in die Auseinandersetzung hineinholen? Wie sieht eine Darstellungsform aus, die sowohl die Vielstimmigkeit der Projektbeteiligten respektiert als auch die Verantwortung der KünstlerIn für den Gesamtprozess wahrnimmt?

„Ich wollte ein (bleibendes) Kunstwerk an einem Kunstort [dem Haus am Lützowplatz] schaffen, herausgekommen sind eine Dachbegrünung, eine Kindergarten-Tastfassade, ein Lehmtunnel und ein Kinderfest. Da fehlt mir der Kunstwerkcharakter. Wie kann ich den Unterschied zu einem pädagogischen Projekt zeigen? Was sind meine künstlerischen Mittel?“ (Birgit Cauer)

Lokale Anbindung schaffen, spezifisch sein, den Kontext einbeziehen

Viele von uns haben selbst die Erfahrung gemacht, dass Schulunterricht ein nach verordneten Lehrplänen strukturierter Lehr-Lern-Prozess ist, der nur in seltenen Fällen eine Verbindung zum Alltag und Umfeld der SchülerInnen herstellt. BNE dagegen zielt darauf ab, das scheinbar Fernliegende, z. B. die globalisierte Nahrungsmittelproduktion, im eigenen Lebensumfeld ausfindig und sichtbar zu machen. Die Wechselwirkungen zwischen lokalem Handeln und globalem Wandel sollen erfahrbar werden. Aus diesem Grund fördert BNE das situierte Lernen, was bedeutet, formale Lernprozesse nicht isoliert von der sozialen Wirklichkeit der Einzelnen, sondern stets kontextgebunden zu organisieren. Können die zu lernenden Inhalte mit dem eigenen Leben emotional verknüpft werden, funktioniert Lernen am besten. Künstlerische Schulprojekte lokal zu kontextualisieren verspricht damit, eine höhere Bedeutsamkeit für die TeilnehmerInnen zu entfalten, sie stärker zu involvieren und damit Lernprozesse im Projekt zu intensivieren. Aber kann es überhaupt ein künstlerisches Schulprojekt geben, das nicht spezifisch auf den einen Ort, die eine Schule zugeschnitten ist?

Sensibilität, Erfahrung, Gespür, Bewusstsein, gutes Handeln

So einfach zu sagen und doch so schwer umzusetzen. Ein Desiderat: Wir wollen den SchülerInnen die Möglichkeit geben, Erfahrungen zu machen, die sie sonst nicht machen würden. Wir wollen in ihnen eine Sensibilität wecken: für sich selbst, für die anderen, für jetzt, für später... Wir wollen ihnen Konflikte bewusst machen und gemeinsam damit umgehen. Wir wollen ihnen ein Gespür dafür geben, was gutes Handeln bedeuten könnte.

III. Exemplarische Begleitforschung: eigene Fragestellungen verfolgen

Mit den InitiatorInnen dreier ausgewählter Projekte arbeiteten wir in der zweiten Projekthälfte an einer intensiveren Reflexion entlang einer selbst gewählten Forschungsfrage. Wir orientierten uns dabei an den Prinzipien der Aktions- und Teamforschung und versuchten, die TeilnehmerInnen bei der Befragung und Verbesserung ihrer Praxis zu unterstützen. Die Formulierung der Fragestellung wurde dabei von ihnen selbst bestimmt und ebenso die Auswertung in einer selbst gewählten Form vorgenommen. An dieser Stelle wollen wir daher nur die drei verschiedenen Forschungsfragen und ­vorgehensweisen kurz benennen, um das Spektrum beispielhaft aufzuzeigen.

Die 12 Veränderer

Eva Hertzsch und Adam Page wollten ergründen, wie die Kooperation zwischen KünstlerInnen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren zustande kommt und inwiefern die unterschiedlichen Motivationen der Akteure im Projekt berücksichtigt werden. Ihre Hauptfrage galt den Interessen der Beteiligten an der Kooperation. Um dem auf den Grund zu gehen, wurden Interviews mit den beteiligten Anspruchsgruppen geführt – SchülerInnen, LehrerInnen und Schulleiter, eine Künstlerin als Kooperationspartnerin sowie eine Vertreterin der Behörde. Um den GesprächspartnerInnen möglichst unbefangene Antworten zu ermöglichen, führten wir als Programmleiterinnen diese Interviews durch. Die dabei aufgenommenen Audiomitschnitte übergaben wir zur Auswertung den KünstlerInnen. Deren Deutung ist hier innerhalb ihrer Projektdokumentation dargestellt.

Multilab.Mobil

Katharina Lüdicke wollte den Status ihres Projekts an der Schule klären. Ihre Fragen bezogen sich darauf, wie die Initiativen und Möglichkeiten des (Schul-)Orts besser auf das Projekt konzentriert werden können und wie sie selbst die Eigeninitiative der Projektmitwirkenden stärker anregen könne – letztlich auch, wie sie selbst ihre Rolle an der Schule zukünftig weiter gestalten solle. Wir führten auch hier eine Befragung der wesentlichen Akteure durch, und zwar der beteiligten LehrerInnen sowie des Schulleiters. In persönlichen Gesprächen fragten wir nach Möglichkeiten der Übernahme bzw. künftigen Weiterführung des Projekts. Dabei wurde auch der wahrgenommene Status des Projekts als Kunst oder pädagogische Ergänzung eruiert. Katharina Lüdicke hat ihre Auswertung in Form eines kleinen Dramas notiert.

Schneller, höher, besser, mehr?!

Christin Schmidt untersuchte in ihrem Projekt, auf welchen Lernebenen (kognitiv, sensomotorisch – den Arbeitsformaten entsprechend) welche Erfahrungen gemacht wurden und welche inhaltliche Auseinandersetzung dabei stattfand. Ihr Interesse galt der Frage, was von ihrer tänzerischen und choreografischen Praxis die SchülerInnen anspricht und wodurch bei den SchülerInnen Handlungslust ausgelöst wird. Für die methodische Umsetzung entwarfen wir eine Mischung aus körperlicher und sprachlicher Reflexion: In einer dreistündigen Auswertungsrunde wurden die teilnehmenden SchülerInnen aufgefordert, sich zu Begriffen aus dem Projektgeschehen im Raum zu positionieren, Bewegungen dafür zu finden und dies zu erläutern. Diese Methode war selbst ein Experiment an der Schnittstelle der verschiedenen Ausdrucksebenen und wurde in Ton und Bild festgehalten. Christin Schmidt hat ihre Erkenntnisse in einem Text im Rahmen ihrer Projektdokumentation festgehalten.

Diese drei Forschungsfragen sind vermutlich auf andere künstlerische Schulprojekte übertragbar. Die Interessen-, die Status- und die Methodenfrage werden früher oder später in jedem Kooperationsprojekt gestellt. Eine weiterführende Aktionsforschung dazu wäre aus unserer Sicht wünschens- und erstrebenswert.

Projekt-
dokumentation
Entpacken – Anpacken!

Claudia Stiefel

Offenbach, Kommunikations- und Ausstellungsdesignerin

Entpacken – Anpacken!

Das Projekt Entpacken – Anpacken! beschäftigt sich mit dem „Objekt Plastiktüte“. Obwohl längst bekannt ist, wie umweltschädlich die Nutzung von Plastiktüten ist, halten wir an deren Gebrauch fest. Wo können wir ansetzen, um eingeprägte Gewohnheiten zu durchbrechen? Reicht es aus, die Plastiktüte durch Papier-, Bioplastik- oder Stofftaschen zu ersetzen oder brauchen wir neue kreative Lösungen? Die SchülerInnen untersuchten, mit Hilfe von Methoden aus der Angewandten Gestaltung, die Plastiktüte als Objekt in ihren unterschiedlichen Facetten und entwickelten Ansätze, um ein verändertes Handeln bei sich selbst und in der Öffentlichkeit zu erreichen.

„Es ist immer wieder mal Thema. Sie bringen jetzt eigene Vorschläge, ich sehe keine Plastiktüte mehr ... und ich glaube, auch die Produktionskette einer Plastiktüte und die Verbindung zum Rohstoff Erdöl ist für alle abrufbar.“
(Petra Specht, Klassenlehrerin 5. Klasse)

Schule: Gutenbergschule Frankfurt am Main, Hostatoschule Frankfurt am Main

Kooperationspartner: Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main

TeilnehmerInnen:
  • Hostatoschule: 20 SchülerInnen, 11–12 Jahre, Klasse 5
  • Gutenbergschule: 23 SchülerInnen, 17–18 Jahre, Klasse 11
Dauer:
  • Hostatoschule: August 2011 bis März 2012
  • Gutenbergschule: August 2011 bis Mai 2012
Arbeitsform:
  • Hostatoschule: eingebettet in den Regelunterricht der Klassenlehrerin 8 Workshops zwischen 2–4 Schulstunden. Zusätzlich 1 Projektwoche und ein 3-tägiger Schulausflug
  • Gutenbergschule: eingebettet in das Unterrichtsfach Projektarbeit 9 x 2 Schulstunden und 1 x 4 Schulstunden

Dank an:
SchülerInnen der 5.Klasse Hostatoschule Frankfurt; SchülerInnen der 11FG1 Gutenbergschule Frankfurt; Petra Specht, Klassenlehrerin Hostatoschule; Alwin Zeiss, Schulleiter Hostatoschule; Katharina Cranz, Klassenlehrerin Gutenbergschule; Peter Best, Stellvertretender Schulleiter Gutenbergschule; Mareike Beiersdorf, Interviews; May Bernadi, künstlerische Mitarbeit; Maike Häusling, künstlerische Mitarbeit; Roman Köller, künstlerische Mitarbeit; Anna Pekala, Fotografie; Katharina Weidenmüller, künstlerische Mitarbeit; Andrea Müller, Palmengarten Frankfurt für die Unterstützung bei der Ausstellung.


2007 schloss Claudia Stiefel ihr Diplom-Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach ab und ist als selbstständige Designerin tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Ausstellungsdesign und Kommunikationsdesign im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich.

claudiastiefel@web.de

17. – 19. August 2011

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Über lebenskunst. festival berlin

25. September 2011 / 02. November 2011

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1. verstehen

Produktionskette Plastiktüte

Woraus besteht eine Plastiktüte? Warum stellt sie ein Problem für Meere, Wälder und Tiere dar?

Um uns dem Thema „Plastiktüte“ zu nähern, untersuchten wir zu Beginn das Material und den Weg von der Produktion über die Nutzung bis hin zu ihrer Entsorgung. Die verschiedenen Schritte wurden in Form eines Puzzles verdeutlicht. So konnten die SchülerInnen spielerisch Zusammenhänge erlernen.

07 - 11. November 2011

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2. Visualisieren

Projektwoche: Unser jährlicher Plastiktütenverbrauch

Wie können wir die Menge an Plastiktüten, die im Jahr in Deutschland verbraucht wird, sichtbar und begreifbar machen

Etwa 1.500 Plastiktüten verbraucht eine Schulklasse im Jahr. Ebenso viele Tüten verwendeten wir gemeinsam mit der Künstlerin Maike Häusling für eine Plastiktütenskulptur, die das Problem des hohen Verbrauchs für uns und andere sinnlich erfahrbar macht.

Für die Form der Umsetzung gab es keine künstlerische Vorgabe. Die Ideen und Realisierungen wurden gemeinsam mit den SchülerInnen

erarbeitet und entstanden aus dem Umgang mit dem Material. Neben dem kreativen und künstlerischen Tun konnten Fähigkeiten wie das Arbeiten in unterschiedlichen Gruppen, Ideenfindung, Planung und schrittweise Umsetzung erlernt werden.

Begleitend entstand ein Video mit themenbezogenen Interviews, die die SchülerInnen selbst durchführten. Das Video bot die Möglichkeit, die Erfahrungen und Inhalte des Projekts zu reflektieren und zu festigen.

22. November 2011

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3. Untersuchen

Workshop: Wie wollen wir tragen?

Welche Formen des Tragens kennen wir aus unserem Alltag, welche gibt es in anderen Ländern und Kulturen und wie kann das Tragen in Zukunft aussehen?

Im Rahmen eines Workshops in Zusammenarbeit mit dem Designer Roman Köller untersuchten die Schüler-Innen die unterschiedlichen Formen des Tragens.

  • Untersuchung bekannter Taschenformen hinsichtlich ihrer Unterschiede und Vor- und Nachteile
  • Transportieren auf dem Kopf statt in der Hand
  • Entwicklung von neuen Tragesystemen, um einen Einkauf ohne Tasche nach Hause zu bringen
  • Das Tragen mit Hilfe des eigenen Körpers und der Kleidung

17. / 24. / 31. Januar 2012

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4. Lösungen gestalten

Workshop: Taschendesign

Wie können wir in Zukunft tragen?

Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem Workshop „Tragen“ widmeten wir uns der Aufgabe, eine eigene Einkaufstasche zu entwerfen. Im Fokus stand die Frage nach dem Problem des Vergessens:

In jedem Haushalt sind Alternativen zu einer Plastiktüte vorhanden, doch häufig vergessen wir diese und stehen beim Einkauf vor der Frage „wie transportieren wir den Einkauf nun nach Hause?“

Der Griff zur Plastiktüte ist dann die naheliegende, jedoch folgenschwere Entscheidung. Es reicht also nicht aus, eine weitere alternative Einkaufstasche zu gestalten; vielmehr geht es darum eine neue Lösung für ihre Integration in unseren Alltag zu finden.

Bei der Umsetzung unterstützte uns die Modedesignerin May Bernadi. Dabei ging es um Fragen zu Design, Form, Größe und Tragefunktion. Der Schwerpunkt lag auf dem Arbeitsprozess und nicht auf dem fertigen Produkt.

13. - 19. Februar 2012

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5. In die öffentlichkeit

Ausstellung: Palmengarten Frankfurt am Main

Unsere Arbeiten, Entwürfe und Ideen stellten wir eine Woche lang im Palmengarten Frankfurt aus. Die Ausstellungseröffnung fand in Kooperation mit dem Energiereferat der Stadt Frankfurt statt.

13. März 2012

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6. vertiefunG

Materialerkundungen und Kompost-Stationen

Was passiert, wenn die Plastiktüte in der Natur landet? Wodurch unterscheidet sie sich von der Papier-, Bio- oder Stofftasche?

Wir steckten jeweils ein kleines Stück Papier-, Biokunststoff-, Plastik- und Stofftasche in Blumenerde und bedeckten es mit altem Herbstlaub. Abgedeckt stellten wir sie für zwei Monate auf die Heizung.

20. + 27. März 2012

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7. bleibendes

Plastik im Klassenraum und Alternativen

Wo finden wir überall Plastik im Klassenzimmer? Was davon können wir durch umweltfreundlichere Materialien ersetzen?

Als Plastikdetektive durchsuchten wir das Klassenzimmer und gestalteten anschließend Buchumschläge, Kisten und Tafelmagneten aus umweltfreundlichen und recycelten Materialien.

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Fragen an Claudia Stiefel

Für meine Dokumentation bat ich fünf Personen aus unterschiedlichen Kontexten (Schule/Design/ÜBER LEBENSKUNST.Schule/Eltern), mir ihre persönlichen Fragen zu meinem Projekt zu stellen. Durch die Beantwortung dieser Fragen hoffe ich, den unterschiedlichen Interessen der LeserInnen dieser Dokumentation gerecht zu werden. Indem sich jede nach persönlichem Interesse die passenden Fragen und Antworten wählen kann.

Ina Sattran – Lehrerin für Kunst und Englisch

Nachhaltigkeit und Design – Was hat das mit unseren Kindern zu tun?

Als Designerin bringe ich neben den aus der Gestaltung abgeleiteten Herangehensweisen bestimmte Fähigkeiten aus der Erfahrung meiner Ausbildung und Praxis mit. In alltäglichen Arbeitsprozessen geht es darum, sich selbst in Bezug zu einem Thema zu stellen und selbstreflektierend und im Abgleich mit dem Außen neue „Bilder“ zu schaffen. Diese Form des Transferdenkens macht es möglich, Dinge sichtbar und begreifbar zu machen, die wir allein mit Worten nicht fassen können. In meiner Arbeit geht es um Informationsvermittlung, Motivation, Aktivierung und darum, Bilder, Erlebnisse und Erfahrungen zu schaffen, die verändern, verstanden werden und erhalten bleiben. Die übergeordnete Frage, die ich mir bei meiner Arbeit stelle, lautet: Wie können Informationen so aufbereitet werden, dass sie nicht überfrachten oder lähmen, sondern motivieren und anregen? Mein Erfahrungswissen hilft mir, mich in die SchülerInnen hineinzuversetzen und nach Strategien zu suchen, ihnen einen aktiven Zugang und eine Verbindung zu einem Thema zu ermöglichen.

Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Designprozess (eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen) mir hilft, einen Zugang zu den komplexen Nachhaltigkeitsthemen zu vermitteln, und mir damit die Möglichkeit gibt, selbst handeln zu können. Bei der Übertragung meiner Herangehensweise auf die Arbeit in der Schule konnte ich beobachten, dass die Arbeit an konkreten Dingen den SchülerInnen den Zugang zu der Thematik erleichtert und ihnen die Zusammenhänge verständlich werden. Ein Verständnis, das sich einprägt und verinnerlicht werden kann.

Was war die größte Überraschung?

Am meisten hat mich die große Motivation der SchülerInnen überrascht. Ich hatte mit mehr Widerständen gerechnet. Häufig hatte ich sogar das Gefühl, nicht Lehrende zu sein, sondern gemeinsam in einem Team mit den SchülerInnen zu arbeiten. Ich war erstaunt, dass die SchülerInnen sich das Projekt und Thema schnell zu eigen machten und es nicht als Pflicht oder von „oben“ aufgesetzt empfanden. Ja, dass sie sogar stolz ihre Umsetzungen in der Öffentlichkeit präsentierten. Einige SchülerInnen der 5. Klasse erklärten bei der Ausstellung im Palmengarten den JournalistInnen selbstbewusst ihre Arbeit und konnten die Zusammenhänge selbstständig herstellen, ohne dass wir sie darauf vorbereitet hatten. Die SchülerInnen der 11. Klasse zeigten sich sehr wissbegierig. Sie schlugen vor, eine ExpertIn für Recyclingfragen einzuladen.

In beiden Klassen entwickelte sich im Laufe des Projekts eine hohe Eigenmotivation.
Anfangs war ich verunsichert, wie ich die SchülerInnen aktivieren kann, eigene Umsetzungsideen zu entwickeln und frei von festen Vorgaben zu arbeiten.

Dabei hat es mich immer wieder überrascht, wie schnell sie loslegten und meine Aufgabe dann nur noch darin bestand, Hilfestellungen zu geben. Eine Aktivierung war nicht notwendig.

Wo siehst du im Gesamtsystem Schule den meisten Bedarf zum Umdenken und Handeln?

Bisher hatte ich ja nur einen kleinen Einblick in das „System Schule“. Ich erlebte die Situationen, in denen ich den SchülerInnen Freiräume gab und sie darin unterstützte, experimentell und ergebnisoffen zu arbeiten, als sehr wertvoll. Dafür wünsche ich mir mehr Zeit sowie Raum für „visionäres“ Denken, ergebnisoffenes und differenziertes Lernen und die Möglichkeit, individuelle und ungewöhnliche Herangehensweisen an eine Fragestellung zu erproben.

In der Zusammenarbeit mit außerschulischen PartnerInnen und der Schule hatte ich Schwierigkeiten damit, dass es neben der Lehrerin keine AnsprechpartnerInnen und keinen Raum für Fragen und Unsicherheiten gab. Ich wünsche mir eine bessere Einbindung, z. B. eine Vorstellung vor dem ganzen Kollegium, eine Einführung in das Spezifische der jeweiligen Schule: Raummöglichkeiten, AnsprechpartnerInnen und eine Sichtbarkeit des Projekts in der Schule über die beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen hinaus.

Welche konkreten Erlebnisse wolltest du den Kindern durch das Projekt mitgeben?

Sie selbst sind ExpertInnen für Fragen nach einer nachhaltigen Lebensweise und ihre Ideen und Gedanken dazu werden ernst genommen. Meine Rolle sah ich darin, sie zu unterstützen und ihnen Möglichkeiten zu geben, ihre Ideen einer Öffentlichkeit zu präsentieren.

Es macht Lust und Freude,Gesellschaft

anders zu denken und sich an der großen Frage, wie eine nachhaltige Lebensweise aussehen kann, zu beteiligen. Unser persönliches Handeln hat eine Auswirkung auf die Umwelt – im Negativen wie auch im Positiven.

Mit der 5. Klasse entstand innerhalb einer Projektwoche ein großes raumgreifendes Kunstwerk aus mehr als 1.400 Plastiktüten. Die künstlerische Installation stand symbolisch für unseren jährlichen Verbrauch an Plastiktüten. Durch die künstlerische Umsetzung mit der tatsächlichen Menge gelang es uns, eine abstrakte Zahl erfahrbar zu machen. Diese Form der Visualisierung von Informationen hilft dabei, Zusammenhänge zu verstehen und nachhaltig zu verankern.

Welches Handwerkszeug hast du im Verlauf des Projekts zu schätzen gelernt?

Bei der Arbeit mit der 5. Klasse spielte das Heranführen an ein offenes Arbeiten und Lernen eine große Rolle. Dazu stellte ich den SchülerInnen unterschiedliches Material, und Werkzeuge passend zu der jeweiligen Aufgabe zur Verfügung, wobei sie selbst ausprobieren und herausfinden konnten, mit was sie arbeiten möchten oder was sich für die Lösung der Aufgabenstellung am besten eignet. Auch die Arbeitsform (alleine oder in Gruppen) konnten die SchülerInnen selbst wählen. Zum Beispiel stellte ich Ihnen die Frage: Wie kann eine Einkaufstasche aussehen, die wir nicht zu Hause vergessen können? Für die Umsetzung gab es alte Klamotten, verschiedene Stoffe, alte Fallschirme und diverse Werkzeuge. Nach einer Vorstellung der vorhandenen Materialien konnten die SchülerInnen ohne Vorgaben mit dem Material experimentieren und eigene Umsetzungen entwickeln. Neben der eigentlichen Aufgabe stellten sich für die SchülerInnen verschiedenste Fragen

und Probleme, die sie lösen mussten. (Von technisch handwerklichen Fragen – Wie schneide ich Stoff zurecht? Wie baue ich eine Messvorlage, wie funktioniert eine Lochzange? Welches Material eignet sich am besten? Wie bekomme ich feste Verbindungen? – bis hin zu ästhetischen und gestalterischen Fragen: Welche Farben und Formen gefallen mir?) Hilfreich war die bewusste Auswahl ungewohnter Materialen, wie alte Fallschirme zum Nähen der Taschen oder Pappwabenplatten zum Bauen und Gestalten, und von Werkzeugen, die aus meinem Arbeitsalltag herausgegriffen waren (Cutter, Tacker, Leim, Klebbänder etc.). Dies erleichterte den SchülerInnen den Einstieg aufgrund der Neugierde und Lust, mit diesem Material zu arbeiten.

Zu Beginn habe ich für diese Stunden sehr viel vorbereitet und sie streng durchgeplant. Nach Außen wirkte es jedoch frei, offen, spontan und entspannt. Ich habe dabei gemerkt, dass es wichtig war, entweder Erfahrungen mit der Aufgabenstellung zu haben oder die SchülerInnen so gut zu kennen, dass wir uns gemeinsam neuen Herausforderungen stellen konnten. Wenn die SchülerInnen keine Erfahrung mit selbstständigem Arbeiten haben, kann eine offene Arbeitssituation schnell vom Produktiven ins Chaotische kippen. Es ist wichtig, das unterschiedliche Arbeitstempo und den individuellen Zugang zur Aufgabenstellung zu berücksichtigen. Es gab SchülerInnen, die konzentriert und langsam arbeiteten und kaum Hilfestellung benötigten, und SchülerInnen, die unsicher im Umgang mit der Aufgabe waren und dann unruhig wurden. Daher ist es auch sinnvoll, mit mindestens drei Betreuungspersonen zu arbeiten (bei 20 SchülerInnen), um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen zu können.

Was hat dich zur Weißglut getrieben?

Ich kann mich an keine Situation in der Schule erinnern, die in mir starke negative Emotionen ausgelöst hat. Jedoch war ich sehr erstaunt darüber, dass bei der Zusammenarbeit mit der 11. Klasse Noten so eine große Rolle spielten und dass mündliche Abmachungen nur eingehalten wurden, wenn sie an die Noten gebunden waren. Das ist auf jeden Fall ein Punkt, den ich bei einem weiteren Projekt anders angehen möchte, indem ich das Problem thematisiere oder mir einen Rahmen suche, in dem eine freiwillige Arbeitssituation möglich ist (z. B. eine AG).

Anna Borowik – Grafik-Designerin

Welche Bedeutung hatte die Erfahrung der pädagogischen Arbeit mit Kindern/Jugendlichen für deine Arbeit? Welche Erkenntnisse ziehst du daraus für dich als Designerin?

In der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehe ich eine Erweiterung meines Arbeitfeldes und die Möglichkeit, zwei meiner großen Interessen (Gestaltung und soziale Arbeit) zusammenzubringen. Ich sehe sie auch als bereichernd und lehrreich für meine Arbeit als Designerin. Durch die Aufgabe an der Schule wurde ich dazu gezwungen, Methoden oder Herangehensweisen, die ich in meinem Berufsalltag selbstverständlich verwende, mir selbst zu verdeutlichen und bewusst zu machen. Dadurch habe ich meine Ausbildung und Profession hinterfragt und reflektiert.

Ellen Stiefel-Stahl – Pflegemutter von fünf Kindern in Grund-, Haupt- und Realschule

Werden die SchülerInnen durch das Projekt dazu angehalten, umweltbewusst zu handeln?

Als Antwort möchte ich ein paar Zitate aus Interviews mit SchülerInnen der 11FG1

Gutenbergschule und der beteiligten Lehrerin nach Abschluss des Projekts verwenden:

„Ich denke, dass sich in unserer Klasse durch das Projekt viel verändert hat. Bei uns Schülern hat es zu einem veränderten Umgang mit Plastik geführt. Allerdings glaube ich nicht, dass wir damit auch eine Veränderung in der Öffentlichkeit erreicht haben.“

„Mich hat es sehr verändert, weil wir die Möglichkeit hatten, nach Berlin zu fahren ... es war eine große Sache und hat mir die Augen geöffnet.“

„Auch im privaten Leben schaue ich nun darauf, wenig Plastik zu verbrauchen. Wenn ich jetzt einkaufen gehe, nehme ich mir immer einen kleinen Stoffbeutel mit.“

„Ich versuche, wenn möglich, auf dem Markt einzukaufen.“

„Die SchülerInnen haben sehr viel gelernt. Durch den Schritt nach außen haben sie Selbstbewusstsein gewonnen und über den langen Zeitraum haben sie sich das Thema zu eigen gemacht und immer mehr Freude an der Umsetzung entwickelt.“
(Klassenlehrerin)

Warum geht es um das Material Plastik?

Das Thema Plastik ist eine große Herausforderung unserer Zeit. Der Rohstoff Erdöl wird unter immer problematischeren Bedingungen gefördert und verwendet, als würde er endlos zur Verfügung stehen. Die Plastiktüte als Objekt verdeutlicht für mich am stärksten die Absurdität unseres alltäglichen Handelns. Sie besteht aus dem kostbaren Rohstoff Erdöl, wir benutzen sie ca. eine halbe Stunde, um unseren Einkauf nach Hause zu bringen, danach wird sie zu wertlosem Müll. Sie ist fest verankert in unseren Alltagsgewohnheiten und ein gutes Beispiel für nicht vorausschauendes

Handeln. Zudem können Themen wie der Umgang mit Ressourcen, Verschwendung, Umwelt-, soziale und gesundheitliche Auswirkungen sowie die Schwierigkeit, aus gewohntem Trott herauszukommen, am Beispiel der Plastiktüte bearbeitet werden. Eine schöne Herausforderung für ein Schulprojekt!
Das Energiereferat der Stadt Frankfurt veranstaltete 2012 einen Diskussionsabend zum Thema Bioplastik als mögliche Alternative zu Plastik aus Erdöl. Es gelang mir, das Schulprojekt als Rahmenprogramm darin zu integrieren. Die Anbindung an eine städtische Veranstaltung war mir wichtig, um neben den SchülerInnen auch eine Öffentlichkeit mit der Thematik zu erreichen, mit den SchülerInnen für eine Öffentlichkeit zu arbeiten und ihnen damit auch zu ermöglichen, die Wirksamkeit ihres Handelns zu erleben undim besten Fall diese Kooperation zu wechselnden Jahresthemen fortsetzen zu können.

Was bleibt für die SchülerInnen und wie geht das Projekt weiter?

Die Gutenbergschule plant aufgrund der positiven Erfahrung eine Einbindung des Themas „Nachhaltigkeit“ in das Fach Projektarbeit der 11. Klassenstufe. Für die 5. Klasse der Hostatoschule werde ich im nächsten Schuljahr wieder ein Projekt anbieten. Dabei will ich mich von einem konkreten Thema lösen und Erfahrungen aus dem Projekt vertiefen. Indem ich eine „Designwerkstatt“ einrichte, also Stunden, in denen die SchülerInnen mit Hilfe eines Material- und Werkzeugpools eigenständig Umsetzungsideen zu einer vorgegebenen Fragestellung entwickeln. Gerne möchte ich wieder an einem gemeinsamen und raumgreifenden Kunstwerk arbeiten. Durch die Projektwoche hatten wir uns den Verbrauch von Plastiktüten künstlerisch erarbeitetet, dies möchte ich mit einem anderen Thema wiederholen, also künstlerisch an einer Visualisierung

einer Problematik arbeiten.

Ellen Stiefel-Stahl – Pflegemutter von fünf Kindern in Grund-, Haupt- und Realschule

Wird das Thema Plastiktüte von den SchülerInnen als ein problematisches wahrgenommen und auf welchen Wissensstand konntest du zurückgreifen?

In der 11. Klasse war schon viel Vorwissen da. Aspekte wie die Umweltauswirkungen und das Ausgangsmaterial Erdöl waren bekannt. Das Problem war bei den SchülerInnen jedoch wenig verknüpft mit dem eigenen Handeln und sie hatten keine Ideen für eine Zukunftslösung. Bei der 5. Klasse war so gut wie kein Vorwissen vorhanden. Durch die Erarbeitung der Verknüpfung mit dem Rohstoff Erdöl und der Produktionskette einer Plastiktüte anhand eines selbst gestalteten Puzzlespiels entstand jedoch schnell ein Verständnis für das Problem Plastiktüte.

Habe ich es richtig verstanden, dass du eigentlich zwei Projekte mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten durchgeführt hast? Wäre es für dich sinnvoll gewesen, abgesehen vom organisatorischen Aufwand, dein Projekt jahrgangsübergreifend durchzuführen?

Das Thema Plastiktüte habe ich an zwei unterschiedlichen Schule und Altersgruppen durchgeführt. Für mich war es also ein Projekt mit unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema. Für mich persönlich war dies sinnvoll, da ich gerne beide Schulformen und Altersgruppen kennen lernen wollte. Für das Projekt selbst hat es jedoch keinen Mehrwert gehabt, da es mir nicht gelungen ist, eine Verbindung zwischen den beiden Schulen bzw. Klassen zu schaffen.

Isabelle Dechamps – Produktdesignern und Teilnehmerin ÜBER LEBENSKUNST.Schule

Worin konkretisiert sich für dich der Kernaspekt deiner Vermittlung?

Es gibt zwei unterschiedliche Kernaspekte in meiner Vermittlung, das Thema Plastiktüte und das Thema nachhaltiges Design. Anhand des Themas Plastik war mir wichtig, die Zusammenhänge vom Objekt Plastiktüte zum Rohstoff Erdöl herzustellen. Mir lag daran, zu verdeutlichen, welche Auswirkungen das eigenen Handeln auf die Umwelt hat und dadurch eine Reduzierung des Plastikkonsums zu erreichen. Für die Arbeit mit der 11. Klasse einer Fachoberschule für Gestaltung war es mir wichtig, Nachhaltigkeitskriterien in den Gestaltungsprozess einzubinden, denn das wird in Zukunft für dieses Berufsfeld eine immer wichtigere Rolle spielen.

Was würdest du anders machen, wenn du die Chance hättest, ein weiteres Projekt unter sehr ähnlichen Bedingungen zu machen?

Ich würde mit kleineren Gruppen arbeiten wollen und mit ihnen gemeinsam anhand von unterschiedlichen Gestaltungsaufgaben Themen erarbeiten und Problemlösungen entwickeln. Dabei würde ich das Thema offener lassen, sodass die SchülerInnen selbst die Möglichkeit haben, es mitzuentscheiden. Gerne würde ich über mehr als ein Schuljahr hinweg mit einer Klasse und den KlassenlehrerInnen als „PatInnen“ in regelmäßigen Abständen kleine Projekteinheiten durchführen, um den Designprozess als Methode zu integrieren. Mit Designprozess meine

ich, anhand von Nachhaltigkeitsthemen bzw. -fragestellungen die Projektschritte (Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen) umsetzen. Mit dieser Herangehensweise sehe ich die Möglichkeit, den SchülerInnen einen guten Zugang zu Nachhaltigkeitsthemen zu ermöglichen, sie darin zu stärken, eigene Lösungsansätze und Ideen entwickeln und umsetzen zu können und dieses Wissen im besten Fall später mit eigenen Fragestellungen weiter anwenden zu können.

18. – 20. August 2011

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Über lebenskunst. festival berlin

fragen

25. September 2011 / 02. November 2011

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1. Einführung ins Thema

Die Themen rund um die Plastiktüte

  • Aus welchem Material besteht eine Plastiktüte?
  • Welche Aspekte sind bei ihrer Produktion relevant?
  • Welche „Nebenwirkungen“ sind zu bedenken?
  • Welche Auswirkungen hat unser Plastikgebrauch auf die Umwelt?
  • Wie viel Plastik verwende ich im Alltag und wo?
  • Welche künstlerischen Ansätze gibt es zur Wiederverwertung von Plastikmüll in unserem Alltag?
  • Wie tragen und transportieren wir?
  • Welche Alternativen gibt es zur Plastiktüte und wie können Ideen für die Zukunft aussehen?
  • Plastik aus Erdöl – welche alternativen Materialkonzepte gibt es?
  • Ist eine Zukunft ohne Plastik denkbar – wie könnten Alternativen aussehen?

23. September 2011

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2. Input zur Vermittlung

Die Themen rund um die Plastiktüte

Der Workshop zeigte die unterschiedlichen Formen der Ansprache, durch die die Problematik des Plastikverbrauchs vermittelt werden kann. MORAL, HUMOR, IRRITATION, ASSOZIATION VEREINFACHUNG, KOMBINATI-ON, INNOVATION oder INTERAKTION. Durch Gesprächsrunden wählten die SchülerInnen in Teams ihren individuellen Ansatz für ihr späteres Projekt.

25. November 2011

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3. Alternativen kennenlernen

Mit Biokunststoff gestalten

Einen Nachmittag lang wurden aus unterschiedlichen Rezepturen Lampenschirme und Figuren geformt.

Der Workshop fand in Zusammenarbeit mit der Designerin Katharina Weidemüller aus Berlin statt.

Wir experimentierten mit vier unterschiedlichen Rezepten: Essbare Knete / Biokunststoff / Milch-Essig-Gemisch / Mehl-Wasser-Gemisch.

25. November 2011

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4. In die Öffentlichkeit

Ausstellung: Palmengarten Frankfurt am Main

Unsere Arbeiten, Entwürfe und Ideen stellten wir eine Woche lang im Palmengarten Frankfurt aus. Die Ausstellungseröffnung fand in Zusammenhang mit einem Vortrag

zum Thema „Biokunststoff – eine Alternative zu Plastik?“ in Kooperation mit dem Energiereferat der Stadt Frankfurt statt.

29. April 2011

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5. Präsentation im Römer
zum Tag der offenen Tür

Am 29. Mai 2012 stellten wir das Projekt und die Umsetzungsideen der SchülerInnen am Tag der offene Tür im Römer in Frankfurt am Main der Öffentlichkeit vor. Der Tag der offenen Tür fand zum Schwerpunkt Bürgerbeteiligung statt. Wir zeigten auf, in wieweit man SchülerInnen an Themen in der Stadt beteiligen kann.

9. Mai 2011

6. Projektpräsentation

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„Wir haben ein Spiel für Kindergartenkinder entwickelt, um sie für den Unterschied zwischen natürlichen und künstlichen Materialien zu sensibilisieren.

Es besteht aus großen Puzzleteilen, auf denen jeweils ein Feld aus Materialien wie Wolle, Plastik, Kokos, usw. aufgebracht ist. Aus den Puzzleteilen setzen die Kinder ihr Spielbrett zusammen.

Dabei entsteht ein Bodenspiel nach dem Prinzip ‚Twister’. Mit viel Spaß soll hier eine Sensibilisierung erreicht werden!“

Text: Mirjam Gießen, Marie Gregori, Nadine Kress, Sarah Popp

„Für das Plastik-Projekt haben wir ein Kindertheaterstück geschrieben. Das Stück heißt: ‚Natur wirft zurück­’.

Dafür haben wir eine Bühne gebaut, Handpuppen genäht und eine Kulisse gestaltet. Das Stück soll Kinder über die Folgen von Plastikmüll aufklären.

Es handelt von einem Jungen, der Müll in die Natur wirft. Darauf reagiert ein Baum wütend und wehrt sich...“

Text: Nadya Backenköhler, Merve Ceylan und Azemina Bejtulahovic

„Limit ist das Spiel, das drei Spiele in einem vereint. Limit ist ein auf Memory basiertes Kartenspiel mit Punktesystem und enthält auch Elemente aus Black Jack. Außerdem beinhaltet es Quiz-Karten zur Thematik ‚Nachhaltigkeit und Plastik’.

Plastik bedeckt den ganzen Planeten – wir sind am LIMIT! Der Name bezieht sich aber auch auf die zeitliche Begrenzung des Spieles.“

Text: Barbara Forster, Ilker Satir, Marlon Epes

„’Plastik frisst Natur’ – das ist unser Motto, das verbindet uns so sehr wie Millionen mit Lotto. Wir bieten Euch ein Plakat inklusive Booklet, der exklusive Film ist da drin gut versteckt. Wir sind eine Gruppe aus vielen Leuten, die das Plastik auf der ganzen Welt bereuen. Unser Zeichen, das wir setzen, soll anspornen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Als Werbegadget tragt Ihr euer Zeug in einer Tasche, sie ist nicht aus Plastik, sondern Stoff, das ist klasse. Durch ein Monster aus Plastik machen wir es sichtbar, ‚Plastik frisst Natur’, danach seht ihr die Sicht klar. Lasst die Welt nicht so enden, es ist Zeit das Blatt zu wenden.“

Text: Lucas Schneider, Agata Golem­berska, Katharina Albert, Hanna Dymek, Laura Perrot, Marilena Giuri

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„Unser Vorhaben war es, ein Bilderbuch zu gestalten, welches den Kindern das Recyceln und die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik näher bringt. Dabei achteten wir auf eine kinderfreundliche Geschichte, die wir selbst geschrieben haben und gestalteten das gesamte Buch eigenständig.

Unsere Geschichte handelt von Willy, dem Wal, der zusammen mit seiner Mutter mit den Problemen der Meeresverschmutzung konfrontiert wird.

Das gemeinsame Arbeiten an unserem Bilderbuch hat uns allen sehr gut gefallen und Spaß gemacht.“

Text: Sevilay Demirtas, Davina Düllmann, Kristina Garac, Mandy Bassou

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Fragen an Claudia Stiefel

Für meine Dokumentation bat ich fünf Personen aus unterschiedlichen Kontexten (Schule/Design/ÜBER LEBENSKUNST.Schule/Eltern), mir ihre persönlichen Fragen zu meinem Projekt zu stellen. Durch die Beantwortung dieser Fragen hoffe ich, den unterschiedlichen Interessen der LeserInnen dieser Dokumentation gerecht zu werden. Indem sich jede nach persönlichem Interesse die passenden Fragen und Antworten wählen kann.

Ina Sattran – Lehrerin für Kunst und Englisch

Nachhaltigkeit und Design – Was hat das mit unseren Kindern zu tun?

Als Designerin bringe ich neben den aus der Gestaltung abgeleiteten Herangehensweisen bestimmte Fähigkeiten aus der Erfahrung meiner Ausbildung und Praxis mit. In alltäglichen Arbeitsprozessen geht es darum, sich selbst in Bezug zu einem Thema zu stellen und selbstreflektierend und im Abgleich mit dem Außen neue „Bilder“ zu schaffen. Diese Form des Transferdenkens macht es möglich, Dinge sichtbar und begreifbar zu machen, die wir allein mit Worten nicht fassen können. In meiner Arbeit geht es um Informationsvermittlung, Motivation, Aktivierung und darum, Bilder, Erlebnisse und Erfahrungen zu schaffen, die verändern, verstanden werden und erhalten bleiben. Die übergeordnete Frage, die ich mir bei meiner Arbeit stelle, lautet: Wie können Informationen so aufbereitet werden, dass sie nicht überfrachten oder lähmen, sondern motivieren und anregen? Mein Erfahrungswissen hilft mir, mich in die SchülerInnen hineinzuversetzen und nach Strategien zu suchen, ihnen einen aktiven Zugang und eine Verbindung zu einem Thema zu ermöglichen.

Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Designprozess (eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen) mir hilft, einen Zugang zu den komplexen Nachhaltigkeitsthemen zu vermitteln, und mir damit die Möglichkeit gibt, selbst handeln zu können. Bei der Übertragung meiner Herangehensweise auf die Arbeit in der Schule konnte ich beobachten, dass die Arbeit an konkreten Dingen den SchülerInnen den Zugang zu der Thematik erleichtert und ihnen die Zusammenhänge verständlich werden. Ein Verständnis, das sich einprägt und verinnerlicht werden kann.

Was war die größte Überraschung?

Am meisten hat mich die große Motivation der SchülerInnen überrascht. Ich hatte mit mehr Widerständen gerechnet. Häufig hatte ich sogar das Gefühl, nicht Lehrende zu sein, sondern gemeinsam in einem Team mit den SchülerInnen zu arbeiten. Ich war erstaunt, dass die SchülerInnen sich das Projekt und Thema schnell zu eigen machten und es nicht als Pflicht oder von „oben“ aufgesetzt empfanden. Ja, dass sie sogar stolz ihre Umsetzungen in der Öffentlichkeit präsentierten. Einige SchülerInnen der 5. Klasse erklärten bei der Ausstellung im Palmengarten den JournalistInnen selbstbewusst ihre Arbeit und konnten die Zusammenhänge selbstständig herstellen, ohne dass wir sie darauf vorbereitet hatten. Die SchülerInnen der 11. Klasse zeigten sich sehr wissbegierig. Sie schlugen vor, eine ExpertIn für Recyclingfragen einzuladen.

In beiden Klassen entwickelte sich im Laufe des Projekts eine hohe Eigenmotivation.
Anfangs war ich verunsichert, wie ich die SchülerInnen aktivieren kann, eigene Umsetzungsideen zu entwickeln und frei von festen Vorgaben zu arbeiten.

Dabei hat es mich immer wieder überrascht, wie schnell sie loslegten und meine Aufgabe dann nur noch darin bestand, Hilfestellungen zu geben. Eine Aktivierung war nicht notwendig.

Wo siehst du im Gesamtsystem Schule den meisten Bedarf zum Umdenken und Handeln?

Bisher hatte ich ja nur einen kleinen Einblick in das „System Schule“. Ich erlebte die Situationen, in denen ich den SchülerInnen Freiräume gab und sie darin unterstützte, experimentell und ergebnisoffen zu arbeiten, als sehr wertvoll. Dafür wünsche ich mir mehr Zeit sowie Raum für „visionäres“ Denken, ergebnisoffenes und differenziertes Lernen und die Möglichkeit, individuelle und ungewöhnliche Herangehensweisen an eine Fragestellung zu erproben.

In der Zusammenarbeit mit außerschulischen PartnerInnen und der Schule hatte ich Schwierigkeiten damit, dass es neben der Lehrerin keine AnsprechpartnerInnen und keinen Raum für Fragen und Unsicherheiten gab. Ich wünsche mir eine bessere Einbindung, z. B. eine Vorstellung vor dem ganzen Kollegium, eine Einführung in das Spezifische der jeweiligen Schule: Raummöglichkeiten, AnsprechpartnerInnen und eine Sichtbarkeit des Projekts in der Schule über die beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen hinaus.

Welche konkreten Erlebnisse wolltest du den Kindern durch das Projekt mitgeben?

Sie selbst sind ExpertInnen für Fragen nach einer nachhaltigen Lebensweise und ihre Ideen und Gedanken dazu werden ernst genommen. Meine Rolle sah ich darin, sie zu unterstützen und ihnen Möglichkeiten zu geben, ihre Ideen einer Öffentlichkeit zu präsentieren.

Es macht Lust und Freude,Gesellschaft

anders zu denken und sich an der großen Frage, wie eine nachhaltige Lebensweise aussehen kann, zu beteiligen. Unser persönliches Handeln hat eine Auswirkung auf die Umwelt – im Negativen wie auch im Positiven.

Mit der 5. Klasse entstand innerhalb einer Projektwoche ein großes raumgreifendes Kunstwerk aus mehr als 1.400 Plastiktüten. Die künstlerische Installation stand symbolisch für unseren jährlichen Verbrauch an Plastiktüten. Durch die künstlerische Umsetzung mit der tatsächlichen Menge gelang es uns, eine abstrakte Zahl erfahrbar zu machen. Diese Form der Visualisierung von Informationen hilft dabei, Zusammenhänge zu verstehen und nachhaltig zu verankern.

Welches Handwerkszeug hast du im Verlauf des Projekts zu schätzen gelernt?

Bei der Arbeit mit der 5. Klasse spielte das Heranführen an ein offenes Arbeiten und Lernen eine große Rolle. Dazu stellte ich den SchülerInnen unterschiedliches Material, und Werkzeuge passend zu der jeweiligen Aufgabe zur Verfügung, wobei sie selbst ausprobieren und herausfinden konnten, mit was sie arbeiten möchten oder was sich für die Lösung der Aufgabenstellung am besten eignet. Auch die Arbeitsform (alleine oder in Gruppen) konnten die SchülerInnen selbst wählen. Zum Beispiel stellte ich Ihnen die Frage: Wie kann eine Einkaufstasche aussehen, die wir nicht zu Hause vergessen können? Für die Umsetzung gab es alte Klamotten, verschiedene Stoffe, alte Fallschirme und diverse Werkzeuge. Nach einer Vorstellung der vorhandenen Materialien konnten die SchülerInnen ohne Vorgaben mit dem Material experimentieren und eigene Umsetzungen entwickeln. Neben der eigentlichen Aufgabe stellten sich für die SchülerInnen verschiedenste Fragen

und Probleme, die sie lösen mussten. (Von technisch handwerklichen Fragen – Wie schneide ich Stoff zurecht? Wie baue ich eine Messvorlage, wie funktioniert eine Lochzange? Welches Material eignet sich am besten? Wie bekomme ich feste Verbindungen? – bis hin zu ästhetischen und gestalterischen Fragen: Welche Farben und Formen gefallen mir?) Hilfreich war die bewusste Auswahl ungewohnter Materialen, wie alte Fallschirme zum Nähen der Taschen oder Pappwabenplatten zum Bauen und Gestalten, und von Werkzeugen, die aus meinem Arbeitsalltag herausgegriffen waren (Cutter, Tacker, Leim, Klebbänder etc.). Dies erleichterte den SchülerInnen den Einstieg aufgrund der Neugierde und Lust, mit diesem Material zu arbeiten.

Zu Beginn habe ich für diese Stunden sehr viel vorbereitet und sie streng durchgeplant. Nach Außen wirkte es jedoch frei, offen, spontan und entspannt. Ich habe dabei gemerkt, dass es wichtig war, entweder Erfahrungen mit der Aufgabenstellung zu haben oder die SchülerInnen so gut zu kennen, dass wir uns gemeinsam neuen Herausforderungen stellen konnten. Wenn die SchülerInnen keine Erfahrung mit selbstständigem Arbeiten haben, kann eine offene Arbeitssituation schnell vom Produktiven ins Chaotische kippen. Es ist wichtig, das unterschiedliche Arbeitstempo und den individuellen Zugang zur Aufgabenstellung zu berücksichtigen. Es gab SchülerInnen, die konzentriert und langsam arbeiteten und kaum Hilfestellung benötigten, und SchülerInnen, die unsicher im Umgang mit der Aufgabe waren und dann unruhig wurden. Daher ist es auch sinnvoll, mit mindestens drei Betreuungspersonen zu arbeiten (bei 20 SchülerInnen), um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen zu können.

Was hat dich zur Weißglut getrieben?

Ich kann mich an keine Situation in der Schule erinnern, die in mir starke negative Emotionen ausgelöst hat. Jedoch war ich sehr erstaunt darüber, dass bei der Zusammenarbeit mit der 11. Klasse Noten so eine große Rolle spielten und dass mündliche Abmachungen nur eingehalten wurden, wenn sie an die Noten gebunden waren. Das ist auf jeden Fall ein Punkt, den ich bei einem weiteren Projekt anders angehen möchte, indem ich das Problem thematisiere oder mir einen Rahmen suche, in dem eine freiwillige Arbeitssituation möglich ist (z. B. eine AG).

Anna Borowik – Grafik-Designerin

Welche Bedeutung hatte die Erfahrung der pädagogischen Arbeit mit Kindern/Jugendlichen für deine Arbeit? Welche Erkenntnisse ziehst du daraus für dich als Designerin?

In der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehe ich eine Erweiterung meines Arbeitfeldes und die Möglichkeit, zwei meiner großen Interessen (Gestaltung und soziale Arbeit) zusammenzubringen. Ich sehe sie auch als bereichernd und lehrreich für meine Arbeit als Designerin. Durch die Aufgabe an der Schule wurde ich dazu gezwungen, Methoden oder Herangehensweisen, die ich in meinem Berufsalltag selbstverständlich verwende, mir selbst zu verdeutlichen und bewusst zu machen. Dadurch habe ich meine Ausbildung und Profession hinterfragt und reflektiert.

Ellen Stiefel-Stahl – Pflegemutter von fünf Kindern in Grund-, Haupt- und Realschule

Werden die SchülerInnen durch das Projekt dazu angehalten, umweltbewusst zu handeln?

Als Antwort möchte ich ein paar Zitate aus Interviews mit SchülerInnen der 11FG1

Gutenbergschule und der beteiligten Lehrerin nach Abschluss des Projekts verwenden:

„Ich denke, dass sich in unserer Klasse durch das Projekt viel verändert hat. Bei uns Schülern hat es zu einem veränderten Umgang mit Plastik geführt. Allerdings glaube ich nicht, dass wir damit auch eine Veränderung in der Öffentlichkeit erreicht haben.“

„Mich hat es sehr verändert, weil wir die Möglichkeit hatten, nach Berlin zu fahren ... es war eine große Sache und hat mir die Augen geöffnet.“

„Auch im privaten Leben schaue ich nun darauf, wenig Plastik zu verbrauchen. Wenn ich jetzt einkaufen gehe, nehme ich mir immer einen kleinen Stoffbeutel mit.“

„Ich versuche, wenn möglich, auf dem Markt einzukaufen.“

„Die SchülerInnen haben sehr viel gelernt. Durch den Schritt nach außen haben sie Selbstbewusstsein gewonnen und über den langen Zeitraum haben sie sich das Thema zu eigen gemacht und immer mehr Freude an der Umsetzung entwickelt.“
(Klassenlehrerin)

Warum geht es um das Material Plastik?

Das Thema Plastik ist eine große Herausforderung unserer Zeit. Der Rohstoff Erdöl wird unter immer problematischeren Bedingungen gefördert und verwendet, als würde er endlos zur Verfügung stehen. Die Plastiktüte als Objekt verdeutlicht für mich am stärksten die Absurdität unseres alltäglichen Handelns. Sie besteht aus dem kostbaren Rohstoff Erdöl, wir benutzen sie ca. eine halbe Stunde, um unseren Einkauf nach Hause zu bringen, danach wird sie zu wertlosem Müll. Sie ist fest verankert in unseren Alltagsgewohnheiten und ein gutes Beispiel für nicht vorausschauendes

Handeln. Zudem können Themen wie der Umgang mit Ressourcen, Verschwendung, Umwelt-, soziale und gesundheitliche Auswirkungen sowie die Schwierigkeit, aus gewohntem Trott herauszukommen, am Beispiel der Plastiktüte bearbeitet werden. Eine schöne Herausforderung für ein Schulprojekt!
Das Energiereferat der Stadt Frankfurt veranstaltete 2012 einen Diskussionsabend zum Thema Bioplastik als mögliche Alternative zu Plastik aus Erdöl. Es gelang mir, das Schulprojekt als Rahmenprogramm darin zu integrieren. Die Anbindung an eine städtische Veranstaltung war mir wichtig, um neben den SchülerInnen auch eine Öffentlichkeit mit der Thematik zu erreichen, mit den SchülerInnen für eine Öffentlichkeit zu arbeiten und ihnen damit auch zu ermöglichen, die Wirksamkeit ihres Handelns zu erleben undim besten Fall diese Kooperation zu wechselnden Jahresthemen fortsetzen zu können.

Was bleibt für die SchülerInnen und wie geht das Projekt weiter?

Die Gutenbergschule plant aufgrund der positiven Erfahrung eine Einbindung des Themas „Nachhaltigkeit“ in das Fach Projektarbeit der 11. Klassenstufe. Für die 5. Klasse der Hostatoschule werde ich im nächsten Schuljahr wieder ein Projekt anbieten. Dabei will ich mich von einem konkreten Thema lösen und Erfahrungen aus dem Projekt vertiefen. Indem ich eine „Designwerkstatt“ einrichte, also Stunden, in denen die SchülerInnen mit Hilfe eines Material- und Werkzeugpools eigenständig Umsetzungsideen zu einer vorgegebenen Fragestellung entwickeln. Gerne möchte ich wieder an einem gemeinsamen und raumgreifenden Kunstwerk arbeiten. Durch die Projektwoche hatten wir uns den Verbrauch von Plastiktüten künstlerisch erarbeitetet, dies möchte ich mit einem anderen Thema wiederholen, also künstlerisch an einer Visualisierung

einer Problematik arbeiten.

Ellen Stiefel-Stahl – Pflegemutter von fünf Kindern in Grund-, Haupt- und Realschule

Wird das Thema Plastiktüte von den SchülerInnen als ein problematisches wahrgenommen und auf welchen Wissensstand konntest du zurückgreifen?

In der 11. Klasse war schon viel Vorwissen da. Aspekte wie die Umweltauswirkungen und das Ausgangsmaterial Erdöl waren bekannt. Das Problem war bei den SchülerInnen jedoch wenig verknüpft mit dem eigenen Handeln und sie hatten keine Ideen für eine Zukunftslösung. Bei der 5. Klasse war so gut wie kein Vorwissen vorhanden. Durch die Erarbeitung der Verknüpfung mit dem Rohstoff Erdöl und der Produktionskette einer Plastiktüte anhand eines selbst gestalteten Puzzlespiels entstand jedoch schnell ein Verständnis für das Problem Plastiktüte.

Habe ich es richtig verstanden, dass du eigentlich zwei Projekte mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten durchgeführt hast? Wäre es für dich sinnvoll gewesen, abgesehen vom organisatorischen Aufwand, dein Projekt jahrgangsübergreifend durchzuführen?

Das Thema Plastiktüte habe ich an zwei unterschiedlichen Schule und Altersgruppen durchgeführt. Für mich war es also ein Projekt mit unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema. Für mich persönlich war dies sinnvoll, da ich gerne beide Schulformen und Altersgruppen kennen lernen wollte. Für das Projekt selbst hat es jedoch keinen Mehrwert gehabt, da es mir nicht gelungen ist, eine Verbindung zwischen den beiden Schulen bzw. Klassen zu schaffen.

Isabelle Dechamps – Produktdesignern und Teilnehmerin ÜBER LEBENSKUNST.Schule

Worin konkretisiert sich für dich der Kernaspekt deiner Vermittlung?

Es gibt zwei unterschiedliche Kernaspekte in meiner Vermittlung, das Thema Plastiktüte und das Thema nachhaltiges Design. Anhand des Themas Plastik war mir wichtig, die Zusammenhänge vom Objekt Plastiktüte zum Rohstoff Erdöl herzustellen. Mir lag daran, zu verdeutlichen, welche Auswirkungen das eigenen Handeln auf die Umwelt hat und dadurch eine Reduzierung des Plastikkonsums zu erreichen. Für die Arbeit mit der 11. Klasse einer Fachoberschule für Gestaltung war es mir wichtig, Nachhaltigkeitskriterien in den Gestaltungsprozess einzubinden, denn das wird in Zukunft für dieses Berufsfeld eine immer wichtigere Rolle spielen.

Was würdest du anders machen, wenn du die Chance hättest, ein weiteres Projekt unter sehr ähnlichen Bedingungen zu machen?

Ich würde mit kleineren Gruppen arbeiten wollen und mit ihnen gemeinsam anhand von unterschiedlichen Gestaltungsaufgaben Themen erarbeiten und Problemlösungen entwickeln. Dabei würde ich das Thema offener lassen, sodass die SchülerInnen selbst die Möglichkeit haben, es mitzuentscheiden. Gerne würde ich über mehr als ein Schuljahr hinweg mit einer Klasse und den KlassenlehrerInnen als „PatInnen“ in regelmäßigen Abständen kleine Projekteinheiten durchführen, um den Designprozess als Methode zu integrieren. Mit Designprozess meine

ich, anhand von Nachhaltigkeitsthemen bzw. -fragestellungen die Projektschritte (Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen) umsetzen. Mit dieser Herangehensweise sehe ich die Möglichkeit, den SchülerInnen einen guten Zugang zu Nachhaltigkeitsthemen zu ermöglichen, sie darin zu stärken, eigene Lösungsansätze und Ideen entwickeln und umsetzen zu können und dieses Wissen im besten Fall später mit eigenen Fragestellungen weiter anwenden zu können.