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I

Was steckt hinter unserer Kleidung?

Einmal um die halbe Welt

 

Kaum ein Bekleidungsstück wird heute noch in Deutschland hergestellt. Ganz im Gegenteil: Bis es in unsere Geschäfte kommt, reist es einmal um die halbe Welt. Ein T-Shirt, Hemd oder eine Jeans legt vom Baumwollanbau bis zum Verkauf im Geschäft oftmals 20.000 km zurück. Vielleicht 20-60 Menschen sind an seiner Wertschöpfung beteiligt – und sie wollen natürlich alle dafür entlohnt werden. Und dennoch kosten einige T-Shirts nur 5 Euro. Man kann sich vorstellen, zu welchen Dumpinglöhnen die Arbeiter/innen arbeiten.

Am Anfang eines Kleidungsstücks steht das Design. Die meisten Produkte werden in europäischen oder nordamerikanischen Firmenzentralen entworfen. Die Firmen haben Kontakte zu Lieferanten, die dann das gewünschte Produkt konfektionieren.

Schaut man hinter die Ware, so durchläuft ein Bekleidungsstück in seinem “Leben” folgende Prozesse: 

  • Fasergewinnung: Eine Naturfaser wie Baumwolle wird per Hand oder mit Maschinen geerntet und aufbereitet. Für den Versand wird Baumwolle zu Ballen gepresst.
  • Textilproduktion: Die Rohfaser wird zu Garn gesponnen und dann zu einem Flächentextil verstrickt oder gewoben. Zudem finden chemische und mechanische Veredelungsprozesse statt.
  • Konfektionierung: Entsprechend dem Design wird das Flächentextil mit weiteren Zutaten zu einem Bekleidungsstück vernäht und anschliessend oft aufwendig weiter bearbeitet. Dann wird es verpackt und in den Absatzmarkt verschickt. 
  • Konsum & Gebrauch: Eine Konsumentin oder ein Konsument erwirbt ein T-Shirt, trägt es und wäscht es vielleicht 50 Mal, bevor das Kleidungsstück entsorgt wird.
  • Afterlife: Fast die Hälfte aller Kleidungsstücke enden im Müll. Höherwertige Produkte können weitergegeben werden oder landen im Altkleidercontainer, um dann in andere Länder – oftmals in Afrika – verkauft zu werden.

Im Detail sehen diese einzelnen Schritte für fast jedes Bekleidungsstück anders aus, und doch gibt es zwei bedeutsame Gemeinsamkeiten: Jeder dieser Schritte hinterlässt einen ökologischen Fussabdruck und an jedem Prozess sind Menschen beteiligt. Diese Menschen wollen und müssen von ihrer Arbeit leben, aber oftmals werden ihre grundlegenden Rechte verletzt.

II

Woher kommt der Rohstoff? 

 

Für die Herstellung eines T-Shirts werden rund 400 g Baumwolle benötigt. Baumwolle ist weltweit das wichtigste nicht essbare Agrargut. 2009 wurden weltweit 22 Millionen Tonnen Baumwolle produziert, auf fast 50% der Anbaufläche wachsen genmanipulierte Pflanzen. Global gesehen konzentriert sich die Baumwollproduktion zu über 80% auf China, Indien, USA, Pakistan, Brasilien und Usbekistan. 
Weltweit beschert die Produktion von Baumwolle geschätzten 300 Millionen Menschen ihr Einkommen. In den USA ernten rund 25.000 Baumwollfarmer mit riesigen Maschinen etwa 10% der Weltproduktion. Auf fast 90% der Anbauflächen ist die Baumwolle dort genmanipuliert. In Afrika wird weniger als 5% der weltweit angebauten Baumwolle produziert, aber insgesamt verdienen dort über 10 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt mit Baumwolle. Ein Bauer aus Burkina Faso fasst das so zusammen: „Hier bei uns bedeutet Baumwolle alles. Sie hat unsere Schulen und unsere Krankenhäuser gebaut. Wir alle hängen von der Baumwolle ab. Aber wenn die Preise weiterhin so niedrig bleiben, haben wir keine Hoffnung für die Zukunft mehr.“.

Der Anbau und Handel mit konventioneller Baumwolle ist mit zahlreichen Herausforderungen verbunden: 

  • In den letzten zehn Jahren zahlte die US-Regierung ihren Baumwollbauern Subventionen in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar. Dies hat dazu beigetragen, dass afrikanische Bauern auf dem Weltmarkt kaum mit der US-Baumwolle konkurrieren können und in Existenznöte geraten. 
  • Auf Baumwollfeldern werden 16% der global verwendeten Insektizide aufgetragen, obwohl Baumwolle weniger als 3% der weltweiten Agrarfläche ausmacht. Einige der Pestizide sind extrem toxisch und verursachen Gesundheitsschäden bei den Arbeitern. 
  • Im Jahr 2006 begingen über 17.000 indische Bauern Selbstmord – teilweise indem sie Pestizide tranken. Als ein Grund (unter vielen) wird die Verschuldung genannt, in die sie durch den Kauf von Pestiziden und genmanipuliertem Saatgut gerieten. 
  • In der Region des Aralsees wird seit Jahrzehnten mit intensiver künstlicher Bewässerung Baumwolle angebaut, was mit einer der grössten ökologischen Katastrophen weltweit endete. Tausende Hektar unfruchtbares Land, Massenarbeitslosigkeit durch Absterben der Fischindustrie, Krebs, Hepatitis, Atemprobleme und anderes sind die Folge. 
  • In Usbekistan ist Kinderarbeit in den Baumwollfeldern weit verbreitet. Dahinter steht eine systematische Mobilisierung von Kindern unter anderem durch die Schliessung der Schulen während der Erntezeit für zwei Monate. Die Environmental Justice Foundation schätzt, dass rund 2 Millionen Kinder an der Baumwollernte beteiligt sind. 
  • Von 1990 bis 2009 ist der Faserkonsum pro Kopf weltweit von 7,7 kg auf 10,4 kg  gestiegen. Der Anteil natürlicher Fasern ist von 53% auf 37% gesunken, der Anteil synthetischer Fasern entsprechend gestiegen. Aufgrund begrenzter Anbauflächen und steigendem Baumwollkonsum  wird Baumwolle künftig ein knapperes Gut und damit teurer werden. Wir werden mehr synthetische Bekleidung haben. 

Der Anbau von Bio- und Fairtrade Baumwolle bietet wichtige Lösungsansätze. Aber er fristet bisher nur ein Nischendasein. Jährlich werden knapp 250.000 Tonnen Biobaumwolle und 28.000 Tonnen Fairtrade Baumwolle produziert. Immerhin mit wachsender Tendenz.

III

Wie entsteht aus der Faser ein Stoff ...?

 

In der Textilproduktion werden toxische Chemikalien verwendet. Wenn die vergifteten Abwässer nicht gereinigt werden, so kommt es zu einer massiven Umweltverschmutzung. In Asien, wo der Großteil der Textilien für unsere Bekleidung hergestellt wird, ist der sorglose Umgang mit Abwässern üblich. 
In der südindischen Stadt Tirupur werden beispielsweise in über 3.000 Fabriken T-Shirts für den Weltmarkt produziert. Die meisten der 800 Färbereien und Bleichereien lassen das Abwasser ungeklärt in den die Stadt durchfliessenden Fluss Noyyal, da Kläranlagen zu teuer sind. 2006 entschied der Madras High Court, dass ein flussabwärts gelegener Staudamm geleert und gereinigt werden müsse, weil das verschmutzte Wasser die Agrarfläche in der Umgebung unfruchtbar gemacht hat. 
In Chinas “Jeansmetropole” Xintang arbeiten rund 700.000 Menschen in gut 4.000 Jeansunternehmen. Greenpeace zeigte in einer 2010 heimlich durchgeführten Studie auf, dass Xintangs Dong-Fluss stark mit Schwermetallen und anderen Chemikalien aus der Textilindustrie belastet ist, die die Schwermetalle aus den Produktionsprozessen einfach in die Umwelt entsorgt. “Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung dürften gravierend sein – lassen sich jedoch nicht belegen, weil die lokale Regierung keine unabhängigen Untersuchungen in ihrer Stadt erlaubt. Xintang ist unter Chinas Industriestädten kein Einzelfall, eher ein Prototyp.”

“Yu Li hat die Hände eines Außerirdischen. ‘Sieht aus wie ein blauer Alien’, scherzt der Enddreißiger und macht Krallen. Die blaue Farbe reicht bis an die Unterarme und lässt sich schon lange nicht mehr abwaschen. Doch daran hat sich Yu Li ebenso gewöhnt wie an den Juckreiz, den die Chemikalien auf seiner aufgeweichten Haut auslösen. Zwölf Stunden steht er jeden Tag an einer großen Waschtrommel, in der Hosen mit Lavasteinen und Bleichmitteln geschleudert werden, um ihnen den modischen Stone-washed-Look zu verleihen. Pro Schicht gehen tausende Jeans durch seine Hände. Am Monatsende bekommt er dafür 1.800 Yuan, umgerechnet rund 200 Euro.”

IV

 ... wer näht die Einzelteile zusammen?

 

Deutschland importierte 2009 Bekleidung und Schuhe im Wert von rund 35 Milliarden US-Dollar, die Hälfte davon aus Asien. Länder wie Kambodscha oder Bangladesch erzielen über Dreiviertel ihrer Exporteinnahmen durch den Export von Bekleidung und sind deshalb davon sehr abhängig. In Bangladesch, wo rund 80% der Exporteinnahmen und ca. 40% aller Industriearbeiter auf den Bekleidungssektor fallen, hat diese Abhängigkeit dazu geführt, dass der Staat sehr niedrige Mindestlöhne in der Bekleidungsindustrie festlegte. Bis Herbst 2010 lag der Monatslohn für eine industrieübliche 48-Stundenwoche in der untersten Lohnklasse bei 1.660 Taka (rund 17 Euro) und wurde erst nach heftigen Protesten auf 3.000 Taka (ca. 30 Euro) angehoben. Da eine Einzelperson mindestens 5.000 Taka im Monat zum Überleben braucht, sind vier bis sechs Überstunden täglich nicht unüblich. 
Welche Probleme niedrige Löhne mit sich bringen, hat die Schweizer NGO Erklärung von Bern im Jahre 2010 im Kontext ihrer 10 Rappen Kampagne anhand persönlicher Einblicke in die Fabrikarbeit aufgezeigt. 

Krishanthi aus Sri Lanka: Ich heisse Krishanthi. Seit sechs Jahren arbeite ich in der Freihandelszone Katunayake in Sri Lanka. An Nachtschichten verdiene ich am meisten. Wir arbeiten 12-14 Stunden pro Tag, auch sonntags und an Feiertagen. Egal wie viele Überstunden ich mache, am Ende des Monats erhalte ich etwa 12‘000 Rupien (95 Euro). Die Hälfte schicke ich meiner Familie, die ohne meine Unterstützung nicht leben könnte. Das, was übrigbleibt, reicht knapp für Miete und einfache Mahlzeiten. Ich bin seit zwei Jahren verheiratet und wurde immer noch nicht schwanger. Die Ärzte sagen, ich solle mich ausruhen und ausgewogen ernähren, aber das kann ich mir nicht leisten.

Liuxia aus China: Mein Name ist Liuxia. Seit ich 17 bin, arbeite ich in Kleiderfabriken in Guangzhou, China. Jetzt bin ich 30, mein 9-jähriger Sohn lebt bei meinen Schwiegereltern in einer anderen Provinz. Offiziell arbeiten wir montags bis samstags von 8-17 Uhr, aber oft müssen wir Überstunden leisten, dann arbeite ich bis 22 Uhr weiter. Bezahlte Ferien gibt es nicht. Ich habe chronische Rückenschmerzen, aber wenn wir krank sind, erhalten wir keinen Lohn. Von meinem Einkommen können wir nur die täglichen Ausgaben decken, wir essen Reis und den billigsten Fisch. Den Lohn meines Mannes brauchen wir für meine Schwiegereltern und die Ausbildung unseres Sohnes.

Neelam aus Indien: Ich bin Neelam, 40 Jahre, verheiratet und habe fünf Kinder. Zu siebt leben wir in einem kleinen Zimmer. WC und Bad teilen wir mit 20 anderen Familien. Seit ich 14 bin arbeite ich in der Kleiderindustrie. Zunächst habe ich mich drei Jahre als Gelegenheitsarbeiterin durchgeschlagen. So musste mein Arbeitgeber keine Sozialabgaben zahlen. Danach wurde ich fest angestellt. Kurz vor Ende des fünften Jahres wurde mir aber widerrechtlich gekündigt. Nach fünf Jahren beim gleichen Arbeitgeber hat man Anrecht auf einen Bonus, den wollten sie nicht bezahlen. Jetzt muss ich als Hilfskraft in einer kleinen Fabrik arbeiten. Ich erhalte nur den gesetzlichen Minimallohn von 3840 Rupien (74 Euro), das reicht noch nicht mal für unser Essen.

Ähnliche Erfahrungen machte ein bangladesischer Promotionsstudent der Universität Heidelberg, der für seine Forschung in einer Fabrik in Bangladesch arbeitete: 

“Ich habe zunächst in der Näherei gearbeitet und bin nach einem Monat in die Qualitätskontrolle gewechselt. Der Arbeitstag begann um 8 Uhr und dauerte bis 20 oder 22 Uhr, mit einer einstündigen Mittagspause. Wir wussten an keinem Tag, wie lange wir würden arbeiten müssen. Das hing von der Nachfrage ab. Das Produktionsziel wurde jeden Tag angepasst. Drei bis vier Mal im Monat mussten wir außerdem nach einem solchen Tag noch eine Nachtschicht machen, bis etwa 3 Uhr morgens. Am nächsten Tag ging es wie gewohnt um 8 Uhr weiter. Im Durchschnitt habe ich 14 Stunden am Tag gearbeitet, 6 Tage die Woche.”

Dabei sind die Arbeitskosten pro T-Shirt im Verhältnis zum Ladenpreis sehr gering: Das Nähen eines T-Shirts dauert inklusive aller Arbeitsschritte gut 10 Minuten. Bei 3.000 Taka Monatslohn – also einem Stundenlohn von rund 15 Taka oder 15 Cent – sind dies weniger als 10 Cents pro T-Shirt. Selbst bei Zahlung eines existenzsichernden Lohns von 10.000 Taka müsste der Fabrikbesitzer pro T-Shirt weniger als 10 Cent für den Arbeitsinput zahlen. Aber bislang zahlt keine Fabrik diesen Lohn, oft werden nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen 3.000 Taka gezahlt.

V

Wo verbleibt die Differenz? 

 

Die größte Wertschöpfung im “Leben” eines T-Shirts, das für den europäischen Markt produziert wird, findet in Europa statt. Während der Importeur zwischen 1 und maximal 10 Euro pro T-Shirt zahlt, kaufen die Konsumierenden es für 2 bis vielleicht 100 Euro im Geschäft.
Wo verbleibt die Differenz auf dem Weg vom Exporthafen zum Ladenregal? Nach Recherchen der ZEIT über ein 4,95 Euro H&M T-Shirt “Made in Bangladesh” zahlt H&M maximal 1,40 Euro für ein T-Shirt. Hiervon bekommt der Spediteur für den Seetransport rund 0,06 Euro. Pro T-Shirt zahlt H&M eine Umsatzsteuer von 0,79 Euro. Es bleiben rund 2,76 Euro für das Unternehmen. Von diesem Geld wird der Transport innerhalb Europas gezahlt, die Ladenmiete, die Löhne der VerkäuferInnen. Ferner wird davon ein Beitrag zu den Overhead-Kosten beigesteuert, unter anderem für die Löhne der weltweit 87.000 H&M Angestellten, für Werbung, Marketing etc. Nur besonders große Unternehmen, die effizient arbeiten, können von 3 Euro pro T-Shirt existieren. Viele Firmen haben keine eigenen Läden und müssen noch Zwischenhändler finanzieren. Mit den 4,95 Euro oder den 100 Euro, die wir für ein T-Shirt im Laden bezahlen, finanzieren wir also eine komplette Logistik und auch die Gehälter vieler Angestellter.

VI

Ich und mein Lieblingsteil: Was kann ich tun? 

 

Ein Baumwoll-T-Shirt verbraucht in seinem Lebenszyklus die meiste Energie beim Waschen und Trocknen. 26% fallen bei der Produktion an, weniger als 1% beim Schiffstransport von Indien nach Europa, aber 50 mal Waschen und Maschinentrocknen verbrauchen 74% des Gesamtenergieverbrauchs. In unserem Waschverhalten verbirgt sich also ein großes Einsparpotenzial: 50 mal ein T-Shirt bei 60 Grad waschen und trocknen mit Geräten der Effizienzklasse C verursachen 9,9 kg CO2, bei 40 Grad mit Effizienzklasse A dagegen nur 2 kg CO2. 

Wie kann man seine eigene Energiebilanz im Bereich T-Shirts verbessern?

  • Hochwertige Kleidung kaufen, die lange tragbar ist – denn das Recycling einer Tonne Textilien benötigt zehn mal mehr Energie als das Recyclen einer Tonne Glas;
  • Neue Kleidung ohne Schadstoffe am besten aus biologischen Rohstoffen (reduziert den Energieverbrauch); 
  • Second-Hand Textilien kaufen, wann immer möglich, und gut erhaltende Kleidung dort abgeben;
  • Kleidung ausleihen, die nur temporär genutzt wird oder tauschen: Der Klamottentausch (z.B. www.klamottentausch.net) bietet eine nachhaltige Konsum-Alternative;
  • Die Lebensdauer qualitativ hochwertiger Textilien kann durch Flicken und Reparieren sehr gut erhöht werden. Viele der eingesandten Lieblingsteil-Geschichten berichten darüber, dass die Lieblingsteile gerade durch ihr Alter so beliebt sind. Designer entwerfen neue Textilien aus alten Teilen, was sich ReDesign nennt; 
  • Waschtemperatur reduzieren und Maschinen mit einer hohen Energieeffizienz kaufen;
  • Weniger bügeln und mehr an der Luft trocknen;
  • Die Altkleidersammlung nutzen und auf lizensierte Sammelorganisationen achten, die eine umweltfreundliche und sozialverträgliche Verwertung garantieren;
  • Letztendlich kann jede Konsumentin und jeder Konsument beim Kauf von Kleidung darauf achten, dass diese nach sozialen und ökologischen Richtlinien produziert wurde. Orientierungen bieten hier Nicht-Regierungsorganisationen wie die Clean Clothes Campaign. Anerkannte Produktstandards für Biobaumwolle (GOTS) oder für Fair Trade Baumwolle (FLO cotton) geben ebenfalls Orientierung.

VII

Afterlife: Altkleiderverwertung und das Müllproblem 

 

Wenn in deutschen Haushalten ausgemistet wird, entsteht ein Berg von 1,13 Millionen Tonnen Alttextilien (Bekleidung und Haustextilien), von denen 750.000 Tonnen gesammelt und wie folgt verwertet werden: 

  • Wiederverwendung und Vermarktung als Secondhand-Ware: 43%
  • Textilien für Putzlappen- und Dämmstoffherstellung: 16% 
  • Weiterverwertung: 31% (davon 21% als Recyclingmaterial und 10% für thermische Nutzung)
  • Sammelware, die nicht verwertet werden konnte und als Abfall beseitigt wird: 20% 

Gebrauchte Kleidung ist schon lange ein weltweites Wirtschaftsgut, und wer Kleidung sammelt, übernimmt auch eine Verantwortung für deren ordnungsgemäße Verwertung. Aus dieser Überzeugung gründete sich 1994 der Dachverband FairWertung e.V., der die Altkleiderverwertung für die Verbraucher durchschaubar machte. 
Der überwiegende Teil wird als unsortierte Originalsammelware ins Ausland verkauft. Die von Sortierbetrieben in Deutschland gewonnene Secondhand-Kleidung wird ebenfalls exportiert. 2009 betrug der deutsche Gesamtexport von gebrauchter Kleidung und anderen Artikeln wie Schuhen und Hüten 426.321 Tonnen. Davon wurden über 30% jeweils nach Afrika und nach Osteuropa / die GUS-Staaten, 12% in die Niederlande, gut 8% in den Mittleren Osten und 5% nach Italien exportiert. 
FairWertung und das Institut Südwind beurteilen den Import von Gebrauchtkleidung nach Afrika positiv. Andere argumentieren, dass vor allem Hilfstransporte von Kleidung an notleidende Menschen die lokalen Märkte negativ beeinflussen. Viele Konsumenten in Importländern entscheiden sich auch deshalb für Import-Secondhand-Kleidung, weil sie qualitativ besser ist als neue Billigware aus China. Nur ein geringer Anteil von rund 2% der in Deutschland gesammelten “Creme-Ware” ist auch hier absetzbar und wird an Secondhand-Läden verkauft.

VIII

Quellen 

  •  http://www.gmo-compass.org/eng/agri_biotechnology/gmo_planting/343.genetically_modified_cotton_global_area_under_cultivation.html (1.5.2011)
  •  Terry Townsend, Executive Direktor des International Cotton Advisory Committee. Zitiert in: Oerlikon (2010): The Fibre Year 2009/2010. Pfäffikon. 
  •  http://www.gmo-compass.org/eng/agri_biotechnology/gmo_planting/343.genetically_modified_cotton_global_area_under_cultivation.html (1.5.2011)
  •  FAO (2004): The State of Agricultural Commodity Markets 2004. FAO: Rom; Die Zahlen zur BW-Produktion beziehen sich auf 2009: Int. Cotton Advisory Committee: Cotton: Review of the World Situation. Vol 63(5): May-June 2010 
  •  Oxfam (2002): Cultivating Poverty. The Impact of US Cotton Subsidies on Africa. Oxfam Briefing Paper 30
  •  The Fairtrade Foundation (2010): The Great Cotton Stitch Up. London. 
  •  Environmental Justice Foundation (2007): The Deadly Chemicals in Cotton, Environmental Justice Foundation in collaboration with Pesticide Action Network UK, London, UK.
  •  http://www.hindu.com/2008/01/31/stories/2008013150240100.htm
  •  Pearce, Fred (2006): When the rivers run dry. Beacon Press: Boston. 
  •  Orsenna, Erik (2007): Weisse Plantagen. Eine Reise durch unsere globalisierte Welt. C.H. Beck: München
  •  Environmental Justice Foundation (2010): White Gold Uzbekistan, A Slave Nation For Our Cotton? London. www.ejfoundation.org; School of Oriental and African Studies (SOAS) (2010): WHAT HAS CHANGED? Progress in eliminating the use of forced child labour in the cotton harvests of Uzbekistan and Tajikistan. University of London. Centre for Contemporary Central Asia and the Caucasus. November 2010
  •  Oerlikon (2010): The Fibre Year 2009/2010. Pfäffikon. 
  •  Int. Cotton Advisory Committee: Cotton: Review of the World Situation. Vol 63(5): May-June 2010; Textile Exchange spricht von 242 Mill. Tonnen 2010.
  •  Bartsch, Bernhard (2011): Jeans-Produktion. Herr Li erlebt sein blaues Wunder. Frankfurter Rundschau. 22.2.2011. 
  •  Bartsch, Bernhard (2011): Jeans-Produktion. Herr Li erlebt sein blaues Wunder. Frankfurter Rundschau. 22.2.2011. 
  •  http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bangladesch166.html
  •  Beispielsweise die Firmenbewertung der EvB von 2010: http://www.evb.ch/p17957.html
  •  Yinan Gu (2008): „Textilrecycling in Deutschland“ (RWTH Aachen - Institut für Aufbereitung und Recycling, 2008). 
  •  www.fairwertung.de
  •  ITC calculations based on COMTRADE statistics, Product: 6309
  •  10 Rappen Kampagne der Erklärung von Bern: www.10rappen.ch/de/hintergrund/
  •  Fries, Meike (2010): Stressforscher im Sweatshop. Hasan Ashraf arbeitete für seine Doktorarbeit an der Uni Heidelberg mehrere Monate in einer Textilfabrik in Bangladesch. Was er dort erlebt hat, erzählt er im Interview. http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2011-02/interview-bangladesch
  •  Wolfgang Uchatius (2010): Das Welthemd. Die ZEIT Nr. 51 vom 16. Dezember 2010. http://www.zeit.de/2010/51/Billige-T-Shirts
  •  Der Zugang für Importe aus Bangladesch auf den EU-Markt ist zollfrei
  • [1] Steinberger, J & D Friot & O Jolliet & S Erkman (2009) Int J Life Cycle Assess 14:443–455
  • [1]  Gwilt, A & T Rissanen (2011): Shaping sustainable fashion. changing the way we make and use clothes. Earthscan: London & Washington DC. 2009 hat Kim Fraser aus Auckland ReFashion als einen nachhaltigen Weg untersucht.